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«Araber und Muslime dürfen keine Weihnachtsfeste mehr erlauben», fordert Scheich Jussuf al-Kardawi.
Der Ägypter ist nicht einfach irgendwer. Der 83-Jährige gilt als «graue Eminenz» in der islamischen Welt. Die Einschätzungen des sunnitischen Religionsgelehrten im islamischen Forschungszentrum im Golfemirat Katar wiegen gemäss «Spiegel Online» oft mehr als jene der Vertreter des offiziellen Islams.
Anderswo würde Muslimen der Bau von Minaretten verboten. Zeit also, den Christen die Weihnachten zu versagen. Denn: Das Weihnachtsfest sei «haram», verstosse also gegen den islamischen Glauben.
Al-Kardawi geht in seiner Fatwa noch weiter: Läden dürften keine Weihnachtsbäume mehr verkaufen. «Ich kann mich angesichts des Weihnachtstreibens in Doha fast fragen, in welcher Art Gesellschaft man lebt, einer islamischen oder einer christlichen», so al-Kardawi.
Keine Kreuze, keine Glocken für Kirchen
Er spottet auch darüber, dass die Christen sich auf kein Geburtsdatum von Jesus Christus hätten einigen können: «Die westlichen Kirchen feiern am 25. Dezember, die anderen am 7. Januar. Sie sind sich nicht einmal sicher, ob Jesus im Winter oder im Sommer geboren wurde!»
Es geht al-Kardawi aber nicht nur um Weihnachten. Er möchte den Christen in muslimischen Ländern das Leben grundsätzlich erschweren. Etwa dadurch, dass Kirchen keine Kreuze mehr tragen oder keine Glocken mehr läuten dürfen.
Die Attacke richtet sich, wenn auch nicht explizit, nicht nur gegen die Christen in muslimischen Ländern, sondern auch gegen die Schweiz und ihr Minarett-Verbot. Müssen Christen in muslimischen Ländern unter dem Schweizer Volksentscheid leiden?
Attacken auf Christen nicht überall gutgeheissen
Sicher ist, dass die Attacke al-Kardawis nicht so einfach auf die leichte Schulter genommen werden kann. Wie «Spiegel Online» schreibt, verbreitet al-Kardawi sein Gedankengut dank Geldspenden in allen muslimischen Ländern ausser dem Iran. Und seine Überzeugungen richten sich zunehmend gegen Europa, wo «Muslime verfolgt und ihrer Rechte beraubt» würden.
Andererseits leben allein in der arabischen Welt rund 20 Millionen Christen. Sie sind ein Teil des sozialen Gefüges und beteiligen sich auch aktiv am Geschehen. Im Libanon etwa ist der Präsident gemäss Verfassung immer ein Christ, in vielen arabischen Ländern gibt es christliche Kabinettsmitglieder.
Hoffnungsvoll stimmt auch, dass einige wichtige Persönlichkeiten und Institutionen sich gegen al-Kardawis Aussagen verwehren. So ist der in der arabischen Welt populäre TV-Sender al-Dschasira bereits auf Distanz zu al-Kardawi gegangen. (gux)
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Scheich Jussuf al-Kardawi. (ZVG)