«Kauft nicht bei Schweizern!» Satiriker lassen Heidi am Galgen baumeln

Vor einem Swatch-Laden in Frankfurt stehen drei Männer in Uniform. In ihren Händen halten sie Plakate, die an Nazi-Deutschland erinnern. Dahinter steckt aber eine Satire-Aktion.

  • Publiziert: 21.05.2012
  • Von Roman Neumann

«Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Schweizern!» Solche Parolen, mit schwarzer Schrift auf Plakate geschrieben, verbreiteten heute drei Männer vor einem Swatch-Laden, mitten in Frankfurt. Die Demonstranten stehen – natürlich – auf dem Schweizer Platz, den sie kurzerhand in «Deutscher Platz» umgetauft haben. An einem Galgen baumelt Romanfigur Heidi, daneben ein gezeichnetes Plakat, betitelt mit «Der ewige Schweizer».

Sie sorgen mit ihrer Aufmachung bei den Passanten gehörig für Aufsehen. Kein Wunder: So hetzten vor 80 Jahren die Nationalsozialisten gegen die Juden. Ein Blick.ch-Leser, der den Aufmarsch mitverfolgt hat, schreibt: «Ich war schockiert!»

Aber das Ganze darf nicht ernst genommen werden: Die Hintermänner sind Satiriker der Zeitschrift «Titanic». Titanic-Chefredakteur Leo Fischer erklärt gegenüber Blick.ch: «Wir wollten damit auf die deutschfeindliche Stimmung in der Schweiz aufmerksam machen.»

Schon öfter machte die Zeitschrift mit ähnlich überzeichneten Aktionen auf sich aufmerksam. Beispielsweise als sie das «Züritüütsch» verbieten lassen wollten (Blick.ch berichtete). Die heutige Aktion richtete sich an die Debatte über die Zuwanderung aus Deutschland, welche SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ins Rollen gebracht hatte.

Flyer mit «Wahrheiten» verteilt

Fischer und seine beiden Kollegen – Torsten Gaitzsch und Stephan Rürup – verteilten heute Flyer mit masslos überspitzten Botschaften an die Passanten. «Darauf haben wir unbequeme Wahrheiten über Natalie Rickli und die Schweiz gesammelt – damit die Leute verstehen, mit wem sie es zu tun haben», erklärt Fischer. 

Ein Beispiel einer «unbequemen Wahrheit»: «Natalie Rickli hat noch nie in ihrem Leben ordentlich gearbeitet, verdient ihr Geld mit Nummernkontos und Call-In-Sendungen.» Oder: «Frauen dürfen in der Schweiz nicht Motorradfahren oder Feuerwehrmann werden.»

Zusätzlich fordern die Satiriker einen Boykott Schweizer Produkte. Eine Auswahl: «Bündnerfleisch, DJ-Bobo-CDs, Zürcher Geschnetzeltes, Zeitschriften der Ringier-Gruppe, Rivella (enthält Quecksilber und Blei).»

Doch warum die gruslige Aufmachung? «Damit haben wir die Leute provoziert. Hätten wir das in Freizeitbekleidung gemacht, hätte uns niemand zugehört», sagt Leo Fischer. Er fügt an: «Wir machen uns Sorgen um die Schweiz!»

Beliebteste Kommentare

  • Peter  Bauer
    Hach, ich lach mich weg...
    Witzige Aktion, super
    • 21.05.2012
    • 10
    • 0
  • Hans  Leemann
    SVP-Frau Natalie Rickli muss sofort als NR zurücktreten. Sie zerstört unser Image im Ausland und im Inland Arbeitsplätze.Wie haben doch schon manche gesagt: Die SVP ist eine Gefahr für die Schweiz!
    • 21.05.2012
    • 10
    • 0

Alle Kommentare (37)

  • corsin  meyer , maladers
    Ob die Iraelis das auch so witzig finden wie die Deutschen? Unterste Schublade liebe Nachbarn.....
    • 22.05.2012
    • 0
    • 5
  • Frank  Schidt , Odin, Illinois
    super satire, gut gemacht und sehr, sehr treffend & witzig, wie immer bei der titanic. von der titanic ist man ja gehobenes niveau gewohnt : weiter so!

    und wie treffend und notwendig die satire ist, zeigt folgender leserbrief an den chefredakteur der titanic:
    "TITANIC-Leser stellen sich vor. Heute: Ernesto H. aus der Schweiz

    Herr Leo Fischer, Sie aind ein armes Nazischwein. Ihr Dreckschwaben habt es noch nicht gelernt. Bleibt wo Ihr seid. Durch die Schweiz fahren ja? Ich werde in Zukunft alle Dreckdeutsche die in der Schweiz arbeiten verbal vor allen Leuten blosstellen. Euch sollte man alle in die Gaskammer stecken und für Sie habe ich nur ein Wort: Nutenaohn. Ihre Mutter war sicher so eine. Nazisxhweine bleibt dort wo ihr seid. Freundliche Grüsse an das Deutsche Mördervolk."

    ^^
    • 22.05.2012
    • 8
    • 2
  • Daniel  Muenger , Zürich
    Kein Wunder wählen immer mehr Rot/Grün. Offensichtlich ist unser Schulsystem bereits so tief gesunken, dass es sehr viele Leute nicht mehr schaffen, einfachste Aussagen, wie die von Rickli, zu verstehen. Da wird von rauswerfen, Deutschenhass und vielem Unsinn mehr geschrieben. Rickli meinte aber NUR: Man hätte die Ventilklausel nicht erst diskriminierend bei den EU-8 anwenden sollen, sondern schon weit früher. - Es hat eben mittlerweilen, vor allem in Zürich, mallorquinische Verhältnisse angenommen, auch wenn Ihr das nicht verstehen wollt.
    • 22.05.2012
    • 3
    • 4
  • simone  meyer , Tüscherz-Alfermée
    es reicht... finde es nicht lustig, Deutsch hin oder her...Europa Arbeitslosgikeit ist ein mega Problem und die Deutschen nun man mag sie oder eben nicht... und solche die solche Spässe machen mag ich nicht ...
    • 22.05.2012
    • 2
    • 1
  • Mailyn  Pelagio-Kerzenmacher , Frauenfeld , via Facebook
    "Die heutige Aktion richtete sich an die Debatte über die Zuwanderung aus Deutschland, welche SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ins Rollen gebracht hatte."
    Frau Rickli scheint ihr Ziel erreicht zu haben. Wer hätte da gedacht, dass gerade ihre Gegner die Debatte am Laufen halten. Gut so, weiter so!
    • 22.05.2012
    • 0
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