Frankreich: Klare Fronten vor dem 2. Wahlgang Sarkozystan oder Ségo-Land?

  • Publiziert: 22.04.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Elie Peter

PARIS – Die Spannung war gross. Der Jubel umso grösser: Nicolas Sarkozy (52) und Ségolène Royal (53) haben den ersten Wahlgang zur Präsidentschaft gewonnen. Jetzt fiebert Frankreich der Stichwahl vom 6. Mai entgegen.

30,5 % der Stimmen erhielt der konservativ-liberale Sarkozy (UMP) laut Hochrechnungen, 25,7% die Sozialistin Royal. Ein Sieg für die grossen Parteien.

Zentrumspolitiker François Bayrou (55) schaffte mit 18,5% einen Achtungserfolg, der rechtsextreme Jean-Marie Le Pen (78) erlitt mit 11% eine Schlappe. Die Wahlbeteiligung lag bei 85 Prozent – Rekord!

Besonders gross war die Erleichterung im Hauptquartier von Ségolène. Rote Rosen, rot-weisse Flaggen. Die Jungsozialistin Constance Poiré (19) ist überglücklich: «Ségolène erfüllt all unsere Hoffnungen», sagt sie zu BLICK – und streicht über ihr weisses Ségolène-Shirt.

In der Nähe steht Chahbasian Majid (52), Jurist und Flüchtling aus dem Iran. Er ist mit hundert iranischen Kollegen gekommen. «Sie ist die einzige, die sich gegen unser Mullah-Regime engagiert. Eine wundervolle Frau!» Und Sängerin Marion James (45) sagt: «Jetzt ist Frankreich bereit, von einer Frau regiert zu werden.»

Etwas später tritt Sarkozy als Erster vor die Mikrofone: «Die Franzosen wollen eine echte Debatte zwischen zwei Gesellschaftssystemen.» Eine Stunde später Ségolène: «Ich werde für ein gerechteres Frankreich sorgen!» Dann wird gefeiert.

Dabei hatte der Wahltag in Paris ganz ruhig begonnen: Um 8 Uhr öffnen die Wahllokale. Die Strassen sind noch leer. Die Pariser schlafen am Sonntag gerne aus.

Ein paar Polizisten, an einigen Ecken hängen Frankreich-Flaggen – sonst sieht Paris aus wie an einem normalen Tag. Doch wer im Bistro oder auf dem Markt hinhört, merkt: Alles dreht sich nur um die Wahlen! Am lautesten diskutieren die Anhänger von Ségolène. Der Tenor: «An die Urnen! Sonst werden wir von Bayrou abgefangen.»

14 Uhr, Besuch eines Wahllokals im 19. Arrondissement (Nordosten). Eine Warteschlange. Moussa (28) und Karima (26), ein Paar mit marokkanischen Wurzeln, sind immer noch unschlüssig: «Bayrou oder Ségolène – wir entscheiden erst hinter dem Vorhang.»

Früher Abend auf den Champs-Élysées: TV-Stationen machen ihre ersten Direktschaltungen. In den Wahlkampf-Zentren treffen Politiker und Supporter ein.

20 Uhr – die ersten Resultate: Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal jubeln!

Was machen Bayrous Wähler?

Frankreich hat seinen Traumfinal: Sarko gegen Ségo. Mann gegen Frau. Rechts gegen Links.

Dabei zitterte Ségolène Royal lange. Ihr Problem: Kaum einer weiss, wofür sie genau steht. Für linke Werte, sagt sie. Und: Sie wolle auf die Leute hören. Das reichte vielen nicht.

Etliche linke Wähler drohten zu Bayrou und linken Splitterkandidaten abzuspringen.

Da machte sie einen klugen Zug: Sie rief alle Linken zur «nützlichen Stimme» auf. Niemand dürfe kleine Kandidaten wie die Kommunistin wählen – sonst schaffe es wieder Le Pen in die Stichwahl.

Im Gegensatz zu Royal sagte Ex-Innenminister Sarkozy laut und offen, was er machen wird. Dazu gehört: härter gegen Kriminelle vorgehen, Ausländer zur Integration zwingen. So fischte er auch im Lager von Le Pen.

Jetzt beginnt der Wahlkampf von vorne. Was machen Bayrous Wähler? Es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Weil sein Programm klar ist, heisst es: leichter Vorteil Sarko.
play Auch Ségolène Royal hat die erste Wahlrunde überstanden. «Ich werde für ein gerechteres Frankreich sorgen», verspricht sie. (AP)

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