Russland stellt halb Europa den Gashahn ab

  • Publiziert: 06.01.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

MOSKAU – Der Winter hat Europa fest im Griff. Und ausgerechnet jetzt eskaliert der Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine. Wirds jetzt kalt in europäischen Ländern?

In Österreich ist die Versorgung mit russischem Gas bereits fast ganz zusammengebrochen (Blick.ch berichtete). Ihre Kunden würden nun mit Gas aus Reserven beliefert, teilte die österreichische Öl- und Gasgesellschaft OMV mit. Kein Wunder, ist unser Nachbarland massiv betroffen. Denn die Österreicher beziehen 60 Prozent ihres gesamten Gases aus Russland. Demnach könnten auch noch andere europäische Länder Probleme bekommen, wenn der Gashahn zugedreht wird. Hier eine Übersicht über die Kunden des russischen Gasriesen Gazprom: Deutschland hat 2007 34,5 Milliarden Kubikmeter Gas von Gazprom gekauft. Das entspricht 42 Prozent des Jahresverbrauchs und macht Deutschland zum grössten Abnehmer von russischem Gas. Die Türkei kaufte im selben Jahr 23,4 Milliarden Kubikmeter oder 67 Prozent ihres Jahresverbrauchs in Russland. An Italien gingen 22 Milliarden Kubikmeter, was 28 Prozent des jährlichen Konsums entspricht. Grossbritannien gehörte noch vor fünf Jahren nicht zu den Exportzielen von Gazprom. 2007 verkaufte Gazprom aber schon 15,2 Milliarden Kubikmeter an Grossbritannien – 16 Prozent des britischen Jahresbedarfs. Das Vertragswerk umfasst aber komplexe Tauschvereinbarungen, so dass in britischen Städten kaum jemals sibirisches Gas ankommt. Frankreich hat es in den vergangenen Jahren vermieden, grössere Mengen an russischem Gas zu importieren. Im Jahr 2007 kamen 10,1 Milliarden Kubikmeter oder 24 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs der Franzosen aus Russland. Ungarn ist zu mehr als 60 Prozent von russischem Gas abhängig. Von seinem jährlichen Gesamtbedarf von 11,8 Milliarden Kubikmetern bezieht das Land 7,5 Milliarden Kubikmeter bei Gazprom. Tschechien kaufte 2007 mit 7,2 Milliarden Kubikmetern absolut zwar weniger Gas in Russland ein. Verlässt sich aber immer noch zu 80 Prozent auf Gazprom-Lieferungen. Polen bezieht die Hälfte seines Jahresbedarfs aus Russland. Griechenland ist zu drei Vierteln von russischem Gas abhängig. Die Slowakei, Bulgarien und Finnland sind praktisch ganz auf die Lieferungen des russischen Monopolisten angewiesen.Fazit: Die Abhängigkeit vieler europäischer Länder vom russischen Gas ist gross. Bleiben die Lieferungen aus, gibts Probleme. (SDA/snx)

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