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Im Kampf um seine abtrünnige Region Südossetien befindet sich Georgien nach eigenen Angaben im Krieg mit Russland. «Russische Luftstreitkräfte bombardieren auf dem gesamten Territorium Georgiens zivile und militärische Ziele», teilte das Aussenministerium mit.
Das georgische Staatsfernsehen berichtete, Russland bombardiere nun auch einen georgisch kontrollierten Teil Abchasiens. Abchasien ist wie Südossetien eine abtrünnige Provinz Georgiens. Auch russische Kriegsschiffe sollen die Schwarzmeerküste von Abchasien ansteuern.
Zuvor wurde der Luftwaffenstützpunkt Vaziani rund 20 Kilometer südöstlich von Tiflis bombardiert. Auch der Schwarzmeerhafen Poti ist nach georgischen Angaben «vollständig» durch russische Luftangriffe zerstört worden. Bei einem russischen Luftangriffen auf einen georgischen Militärflughafen in Senaksk starben mindestens zwölf Soldaten
Zehntausende auf der Flucht
Nach russischen Angaben nahm die georgische Artillerie in der Nacht erneut die südossetische Hauptstadt Zchinwali unter Beschuss. Nach einer Meldung der russischen Agentur Interfax sind inzwischen 30000 Menschen aus Südossetien in Richtung Russland geflohen.
Im Weltsicherheitsrat in New York widersetzte sich Russland der internationalen Forderung nach einer Waffenruhe. Trotz eindringlicher Appelle aller anderen 14 Mitgliedsländer lehnte es der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin ab, eine entsprechende Erklärung mitzutragen. Nach vierstündigen Beratungen brach das Gremium deshalb die Sitzung ab.
«Invasion begonnen»
Der georgische UNO-Botschafter Irakli Alasania warf der russischen Seite vor, den Konflikt durch Luftangriffe auf georgisches Gebiete ausserhalb Südossetiens zuzuspitzen. «Georgien steht unter der direkten Attacke und Aggression der Russischen Föderation. Sie haben die Invasion begonnen.» Zudem habe es auch Angriffe auf das autonome Gebiet Abchasien gegeben, sagte Alasania.
Er forderte die Weltorganisation auf, einzugreifen. In Tiflis wurden in der Nacht Regierungsgebäude evakuiert und die politische Führung in Sicherheit gebracht.
Kriegsähnliche Ausmasse
Der Konflikt um die abtrünnige Region Südossetien hatte bereits in der Nacht zum Freitag kriegsähnliche Ausmasse erreicht. Nachdem Georgien eine Grossoffensive mit Panzern, Kampfjets und Raketen gegen Südossetien gestartet hatte, verstärkte Russland seine Truppen in der Region.
Bei den seit zwei Tagen andauernden Gefechten im Kaukasus seien 1500 Menschen getötet worden, teilte die russische Regierung mit. Die Behörden der abtrünnigen georgischen Region Südossetien sprachen von 1600 Toten.
«Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft», sagte der russische Präsident Dmitri Medwedew. Die meisten Bewohner Südossetiens besitzen die russische Staatsbürgerschaft.
Soldaten aus Irak abgezogen
Georgiens Präsident Saakaschwili begründete die Offensive mit der Wahrung der territorialen Unversehrtheit seines Landes und kündigte die allgemeine Mobilmachung an. Ausserdem zog er die Hälfte seiner im Irak stationierten 2000 Elitekämpfer ab, um sie in einem drohenden Krieg in seinem Land einzusetzen.
International löste der Konflikt tiefe Sorge aus. Vertreter der NATO und der EU riefen die Konfliktparteien zum Ende des Blutvergiessens auf. Die US-Regierung bekräftigte, die territoriale Integrität Georgiens zu unterstützten. «Wir dringen bei allen Parteien – Georgier, Südosseter und Russen – darauf, die Spannungen zu entschärfen und einen Konflikt zu vermeiden», sagte die Sprecherin des Weissen Hauses, Dana Perino. (SDA)