MOSKAU - Die Staatsanwaltschaft hat den «Lustigen Milchmann» im Visier. Denn mit dem Regenbogen auf der Packung könnte Homosexualität propagiert werden.
Die spinnen, die Russen. Die Generalstaatsanwaltschaft will dem Michproduktehersteller «Lustiger Milchmann» an den Kragen. Der Vorwurf: Auf der farbenfrohen Verpackung ist ein Regenbogen zu sehen. Dies könne als Werbung für Homosexualität angesehen werden.
Dies ist in Russland verboten und wird mit einer Strafe von 500'000 Rubel, umgerechnet rund 16'000 Franken, geahndet, meldet die Nachrichtenagentur «Reuters».
Anzeige erstattet hatte Anatoli Artjuch, seines Zeiches Chef der St. Petersburger Zweigstelle der konservativ-patriotische Organisation «Volksversammlung». Ihm war aufgefallen, dass der Regenbogen auf dem Karton nicht sieben, sondern bloss sechs Farben beinhaltet – genau wie die Regenbogenfahne der Gaybewegung.
Es handle sich um eine «unverholene Verherrlichung eines schlimmen Lasters», sagt Artjuch. Seine Organisation will zudem Geschäfte boykottieren, die die Milchmarke verkauft.
Artjuchs Aufstand zeigt, wie wenig er eigentlich über die Gaybewegung weiss. Es stimmt zwar, dass deren Flagge bloss sechs Farben beinhaltet.
Im Gegensatz zur Milchpackung, ist auf der Gayfahne die Farbe Violet zu sehen. Der «Lustige Milchmann» hingegen verzichtet auf Violet und zeigt dafür die Farbe Hellblau.
Homosexuelle haben in der russischen Gesellschaft allgemein noch einen schweren Stand. Erst Ende Mai hatte die Polizei eine Gay Pride in Moskau verhindert.
In St. Petersburg war im März ein Gesetz in Kraft getreten, das Kundgebungen Homosexueller vor den Augen Minderjähriger verbietet und Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzt.
Im Nachbarland Georgien kam es während der ersten Gay Pride im Mai zwischen einer wilden Schlägerei zwischen Teilnehmern und orthodoxen Christen. (dra)
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