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Es war kurz nach 1 Uhr in der Nacht auf Samstag, als Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (58) das Szenelokal «Le Cabaret» in Velden (A) verliess. Mit den Reichen und Schönen seines Bundeslandes hatte der umtriebige Rechtspopulist in der Champagnerbar eine neue Zeitschrift aus der Taufe gehoben. Zum Abschied von der Sause nahm der Parteichef von Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) seinen Pressesprecher und Intimfreund Stefan Petzner (27) in den Arm.
Dann setzte er sich ans Steuer seines VW Phaeton. Dem Chauffeur des 235 PS starken Dienstwagens hatte der Landesherr fürs Wochenende freigegeben und an diesem Abend ausdrücklich auf Polizeischutz verzichtet. Haider machte sich auf den Weg zu seinem Gutsbetrieb im Bärental. Dort wollte er mit Ehefrau Claudia (55) sowie den Töchtern Cornelia (31) und Ulrike (28) den 90. Geburtstag seiner Mutter Dorothea feiern.
Keine halbe Stunde später war das Enfant terrible der österreichischen Politik tot. Am Rand von Klagenfurt hatte Haider beim Überholen eines anderen Fahrzeugs die Kontrolle über den schwarzen Phaeton verloren. Der Wagen geriet auf die Grasnarbe neben der rechten Fahrbahn, schoss eine Böschung hinauf, traf einen Feuerhydranten, dann einen Betonpfeiler, überschlug sich mehrfach und kam schliesslich nach etwa 150 Metern zum Stehen. Die Notärztin konnte nichts mehr tun. Der Hydrant hatte Haider den linken Arm abgerissen. Der Landeshauptmann hatte schwerste Kopf- und Brustverletzungen erlitten. Er starb noch am Unfallort.
Jörg Haiders Tod folgte nur 14 Tage auf sein spektakuläres politisches Comeback. Bei den Parlamentswahlen am 28. September hatte seine rechtspopulistische BZÖ fast elf Prozent der Stimmen geholt. Zusammen mit den Stimmen der ebenfalls von Haider geprägten Freiheitlichen Partei (FPÖ) hatte die Rechte mehr als ein Viertel aller Mandate erobert.
Vor allem bei den Jungwählern war Haiders Themenmix aus Fremdenfeindlichkeit, Europaskepsis und Nationalismus über Erwarten gut angekommen. Zurück in die Bundespolitik wollte Haider trotz des Erfolgs (noch) nicht. Für nächstes Jahr plante er seine Wiederwahl als Landeshauptmann von Kärnten.
Mit seiner unverhohlenen Bewunderung für Nazi-Deutschland hatte der Sohn überzeugter Nationalsozialisten weit über die Landesgrenzen für Empörung gesorgt. Seinen Eintritt in die Wiener Regierung 1999 quittierten viele EU-Länder mit Sanktionen gegen Österreich. Die Freundschaft mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein (†69) und dem Libyer Muammar al-Gaddafi (66) brachte ihm weitere Gegner.
Doch von all dem will Österreich jetzt nichts mehr wissen. Tausende trugen sich am Samstag ins offizielle Kondolenzbuch ein. Haider wird in Klagenfurt ein Staatsbegräbnis erhalten. Und die Obduktion wird zwar zeigen, ob bei dem Unfall Alkohol oder andere Substanzen im Spiel waren. Veröffentlicht werden diese Ergebnisse aber wohl nicht.