MOSKAU - Heute hat der Prozess gegen drei Mitglieder der Putin-kritischen Punkband Pussy Riot in Moskau begonnen. Die jungen Frauen sind wegen Blasphemie und Rowdytum angeklagt.
Die Anklage lautet auf Blasphemie und Rowdytum. Trotzdem werden Nadeschda Tolokonnikowa (23), Jekaterina Samuzewitsch (29) und Marina Alechina (24) wie Schwerverbrecherinnen behandelt.
Seit einem halben Jahr sitzen die drei Frauen – zwei von ihnen haben kleine Kinder – in Untersuchungshaft. Und das nur, weil sie es als Punkband Pussy Riot wagten, vor dem Altar der Erlöser-Kathedrale Putin-feindliche Parolen zu singen.
Heute nun hat der 14-tägige Prozess gegen die drei Frauen begonnen. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft für Pussy Riot. Medien sind im Gerichtssaal nicht zugelassen – offiziell weil es zu wenig Platz habe.
Dafür wird das Spektakel in einer Art Schauprozess live im Internet übertragen. Allerdings haperts beim Livestream: Immer wieder kommt ein Standbild. Ob es sich dabei um technische Probleme handelt oder ob so unangenehme Szenen ausgeblendet werden, sei dahingestellt.
Trotzdem sieht man, unter welchen extremen Sicherheitsvorkerungen der Prozess geführt wird. Diverse Polizisten stehen im Gerichtssaal. Tolokonnikowa, Samuzewitsch und Alechina sitzen hinter Plexiglas.
Die drei Frauen sind in einer Art Vitrine ausgestellt, sie können nur mit der Aussenwelt kommunizieren, in dem sie sich zu einer Art Sprechschlitz auf Hüfthöhe hinunter beugen.
Zu beginn des Prozesses las die ihre Anwältin Violetta Wolkowa die Statements der drei Frauen vor: «Wir hegen gegen niemanden Groll. Wir sind keine Feinde der Christen... unser Motiv ist rein politisch. Wir wollen bloss, dass sich Russland zum Besseren ändern», liess Tolokonnikowa im ihren Statement verlauten.
Alechina griff im ihren indirekt den Patriarchen an: «Ich dachte, die Kirche liebt alle ihre Kinder. Aber es scheint, dass die Kirche nur diejenigen Kinder liebt, die Putin lieben.»
Die Staatsanwaltschaft verlangte, dass die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen wird.
Der Vater von Jekaterina Samuzewitsch, Stanislaw, zeigte sich wenig optimistisch, dass seine Tochter von dem Gericht Milde erwarten könne. «Natürlich werden sie ins Gefängnis geschickt», sagte er. «Das ist ein politischer Prozess.»
Der Skandal war spätestens dann perfekt, als sich Patriarch Kirill höchstpersönlich einmischte. Nach der Aktion sprach das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche vom «Teufel, der uns verspottet», in der Annahme, Satan sei in die Punk-Aktivistinnnen gefahren.
Auch Erzpriester Wsewolod Tschaplin meldete sich zu Wort und verglich Pussy Riot mit Stalin, der während seiner Herrschaft die Kirche verfolgte.
Der Prozess polarisiert in der russischen Bevölkerung. Viele Gläubige wünschen sich eine harte Strafe für die Punk-Aktivistinnen. Andere gehen für die drei jungen Frauen auf die Strasse. Auch heute vor dem Gerichtsgebäude forderten Demonstranten «Freiheit für Pussy Riot».
Premier Dmitri Medwedew hat gegenüber der «Times» das Vorgehen der russischen Justiz verteidigt: «In anderen Ländern müssten die Frauen mit deutlich höheren Strafen rechnen als in Russland», meinte er.
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