Psychologin zu den Brutalo-Attacken in Frankreich So funktioniert der Clown-Terror

PARIS/ZÜRICH - In Frankreich verkleiden sich Jugendliche wegen eines neuen Facebook-Trends als Clowns und erschrecken nachts unschuldige Passanten. Eine Psychoanalytikerin erklärt den Schrecken.

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Haben Menschen Angst vor Clowns?
Jeannette Fischer
: Eigentlich bringen Clowns Spass und Freundlichkeit oder veräppeln uns ein bisschen. Aber normalerweise hat man vor Clowns keine Angst.

Aber einem verkleideten Clown nachts auf der Strasse zu begegnen, wie das derzeit in Frankreich passiert, schüchtert schon ein.
Diese Jugendlichen in Frankreich haben sich vielleicht deswegen als Clowns verkleidet, weil man Clowns sonst eigentlich freundlich begegnet. Und das missbrauchen sie dann gnadenlos, um Gewalt anzuwenden oder Schrecken zu verbreiten.

Trotzdem oder gerade deswegen haben viele Erwachsene ein Unbehagen gegenüber Clowns.
Manche mögen sie vielleicht nicht, weil sie den Menschen den Spiegel vorhalten. Aber ein Clown ist an sich keine gewalttätige Figur. Wenn Leute Angst vor einem Clown haben, dann projizieren sie bloss ihre eigenen Aggressionen auf den Clown. In Frankreich ist es eine andere Sache, da haben die Menschen Angst vor den Clowns, weil sie all diese negativen Meldungen hören.

Welche Einflüsse prägen einen Menschen, dass er Angst vor gewissen Figuren bekommt?
Das ist meistens keine Urangst, sondern eben diese Aggression, die man in die Figur hineinprojiziert. Denn Angst und Aggressionen liegen nahe beisammen. Wenn man einen Film sieht, dann projiziert man alles auf diesen bösen Hai, der ja so gemein ist, dass er mich fressen will.

Können Sie das genauer erklären?
Viele Menschen denken von sich, sie würden keiner Fliege etwas zuleide tun, haben aber gleichzeitig eine Heidenangst zum Beispiel vor Löwen. Doch wenn man den Nachbarn am liebsten erwürgen würde, weil er schon wieder den Waschraum besetzt, muss man irgendwohin mit dieser Aggression. Und dann kommt einem ein Löwe oder Hai gerade Recht, denn er ist all das Böse, was ich selber nicht bin, denn ich bin ja so unschuldig.

Wie kann man diese Angst überwinden?
Am besten, indem man sich den eigenen Aggressionen bewusst wird und erkennt, dass einen der Nachbar tatsächlich unglaublich nervt und man ihn schütteln könnte. Man muss sich dies eingestehen und erkennen: Aha, auch ich kann ein böser Mensch sein mit bösen Gedanken.

Werden die Angstbilder wie etwa böse Hexen oder der böse Mann nicht  auch geprägt vor äusseren Einflüssen wie den Eltern oder Filmen?
Doch, das auch. Man kann mit solchen Ängsten sehr einfach spielen, wie etwa im Film. Oder man kann die Ängste auch ganz gezielt in die Welt setzen. Zum Beispiel, wenn Eltern sagen, der böse Mann komme, wenn man nicht schnell genug von der Schule nach Hause eilt.

Das tönt ja ziemlich grausam. So fies sind Eltern doch gar nicht!
Manchmal schon. Denn so gehorcht das Kind besser. Zum Beispiel, wenn die Religion herbeigezogen wird: «Der liebe Gott sieht alles». Aber leider sind die Kinder dann auch dieser Angst wehrlos ausgeliefert.

Zurück zu den Clowns: Mögen Kinder Clowns überhaupt?
Sie fremdeln zuerst vielleicht, aber das ist ein grundsätzlicher Respekt vor Dingen, die sie nicht kennen. Das kann sich aber schnell auflösen, wenn die Kinder dank des Clowns lachen und spielen. Die Stiftung Theodora setzt ja Clowns zur Therapie ein.

Mögen Sie persönlich Clowns?
Ja, wenn sie unterhaltsam sind, mag ich sie sehr.

Jeannette Fischer ist Psychoanalytikerin mit eigener Praxis in Zürich. Sie ist Autorin des Dokumentarfilm «Lisa und Yvonne», der sich mit der Angstübertragung eines ehemaligen Verdingkindes auf dessen Tochter befasst.

Publiziert am 27.10.2014 | Aktualisiert am 27.10.2014

Das ist Coulrophobie

Als Coulrophobie wird die krankhafte Angst vor Clowns bezeichnet. Laut einer Studie finden Kinder Clowns nicht lustig, einige haben Angst vor ihnen. Die kindliche Angst vor Clowns hat laut dieser Studie ihre Gründe in deren unbekannten Aussehen und Auftreten. Diese Angst vor dem Unbekannten kann sich auf viele Dinge beziehen und ist nicht spezifisch für Clowns, weshalb sie meistens im Zuge des Älterwerdens verschwindet.

Selten ist diese Angst auch bei Erwachsenen anzutreffen, dies hat dann jedoch andere Gründe. Die Angst erwachsener Personen vor der Clownsfigur begründet sich im geschminkten Gesicht, dem Kostüm und einem meist freundlichen Erscheinungsbild. Dadurch ist ein Erkennen der wahren Emotionen erschwert. Clowns verhalten sich ausserdem abweichend von üblichen sozialen Normen, was Unsicherheit ihnen gegenüber und damit verbunden ein Unbehagen vor ihnen zur Folge haben kann. (Quelle: Wikipedia)

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Das sind die Vorbilder der Horror-Clowns

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1 Kommentare
  • Kristina  Basler , via Facebook 27.10.2014
    Sorry, aber meine Angst vor Clowns hat überhaupt nichts mit dem Nicht-Wahrnehmen meiner eigenen Aggressionen zu tun, sondern mit Prägung.
    Und ich würde wetten, das geht den meisten mit einer Phobie vor Clowns so ...