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Tausende trauern im Internet. Massenschmerz auf Facebook: «Ciao Dido», «Für immer einer von uns». Letzte Worte an einen 16-jährigen Buben aus Como (I).
Es ist Dienstag gegen 23 Uhr. Davide Auguardo, genannt Dido, hat gerade sein tägliches Fussballtraining beendet. Der Gymnasiast schwingt sich auf seine Vespa, biegt in die menschenleere Via San Giacomo ein. Plötzlich erfasst ein heller Citroën C1 den Jungen mit voller Wucht. In der Frontalkollision wird Dido vom Auto überrollt.
Am Steuer sitzt Loredana S.* (42), eine Zürcherin, die in Italien lebt. Die Kinderpsychologin ist sturzbetrunken. Eine Blutprobe ergibt: 2,34 Promille.
Während die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin unverletzt auf dem Polizeiposten hockt, ringt der 16-jährige Davide Auguardo im Comer Spital Sant’Anna um sein Leben. Er verliert den Kampf im Morgengrauen. Dido erliegt seinen schweren Brustverletzungen.
Hat die Psychologin den jungen Töff-Fahrer auf dem Gewissen? Unfallzeugen gibt es keine. Doch allein der Alkohol am Steuer macht die Schweizerin zur Straftäterin. Die Anklage lautet: vorsätzliche Tötung. Loredana S. drohen in Italien drei bis zehn Jahre Gefängnis.
Didos Mutter Patrizia Auguardo verlässt mit verweintem Gesicht das Krankenhaus. Am Handgelenk trägt sie ein orangefarbenes Gummiband. «Es gehört Davide. Ein Mädchen hatte es ihm geschenkt. Ich werde es ihm im Sarg wieder anlegen.»
Dann sagt die Mutter, wie zum Trost: «Unser Sohn wollte, dass seine Organe im Todesfall gespendet werden. Das hat er uns noch vor Wochen ans Herz gelegt. Als hätte er es geahnt.» Dido wird so in fünf Kindern weiterleben. «Von zweien wissen wir es», sagt die Mama: «Davides Leber teilen sich ein Baby und ein etwas älterer Junge. Davide wäre sehr zufrieden damit.»
* Name der Redaktion bekannt