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Massenvergiftung!: Psycho-Therapeut verabreicht Drogencocktail

BERLIN – Tödliche Therapie: Ein Berliner Arzt hat zwölf Patienten bei einer gemeinsamen Sitzung einen Drogencocktail verabreicht, an dem bis heute zwei Menschen gestorben sind. Ein weiterer Patient schwebt noch in Lebensgefahr.

Aktualisiert um 10:22 | 21.09.2009
Im Dachgeschoss diesen Hauses fanden die Drogensitzungen statt. (Keystone)
Im Dachgeschoss diesen Hauses fanden die Drogensitzungen statt. (Keystone)
Ein 59-jähriger Mann starb gestern Nachmittag, wie die Polizei mitteilt. Ein 28-jähriger Mann erlag am Abend im Spital der Vergiftung. Neun Teilnehmern der Gruppentherapie ging es hingegen relativ gut. Sie sollen als Zeugen befragt werden.

Die Ermittler gehen allerdings nicht davon aus, dass der Arzt vorsätzlich töten wollte. Der 50 Jahre alte Therapeut gab demnach zu, die Substanzen verabreicht zu haben. Mit den Drogen sollte eine Art Erweiterung des Bewusstseins erreicht werden.

Welche Stoffe bei der Sitzung in der Praxis im nördlichen Berliner Stadtteil Hermsdorf im Spiel waren, ist noch unklar. Es könne einige Tage dauern, bis Ergebnisse der Analyse vorliegen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Nach bisherigen Informationen erhielten die Männer und Frauen verschiedene Drogen in unterschiedlicher Mischung und Menge. Nach Medienberichten waren Amphetamine und Psycho-Drogen wie LSD im Spiel. Unklar ist, wie die Drogen verabreicht wurden, ob als Spritze, Tablette oder in anderer Form.

Polizei greift ein

Am Samstagnachmittag hatte ein Teilnehmer während der Sitzung die Feuerwehr verständigt. Einige Männer und Frauen, die unter Drogen standen, wollten sich zunächst nicht vom Notarzt untersuchen lassen. Die Polizei griff ein und beruhigte die Lage soweit, dass Ärzte und Sanitäter arbeiten konnten.

Der Mann betreibt als «Facharzt für Allgemeinmedizin und Psychotherapeut» eine Praxis. Er bietet auch «psycholytische Therapien» an. Das steht auf dem Schild an seiner Praxis. Bei dieser Art von Therapie werden psychoaktive Substanzen verwendet. Dazu zählen auch Rauschgifte wie LSD oder bestimmte Pilze.

Heute morgen waren die Absperrungen der Polizei wieder entfernt, das Haus war aber noch versiegelt. Die Familie des Arztes war nicht mehr da. Auf dem Anrufbeantworter war nur die Stimme des Arztes zu hören: «Ich bin im Moment telefonisch nicht zu erreichen. In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an den ärztlichen Notdienst.»

Nicht zugelassene Methode

Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung warnt vor Heilmethoden, die von den Krankenkassen nicht offiziell anerkannt sind. In Deutschland gebe es rund 250 Psychotherapie-Verfahren, sagt Hans-Jochen Weidhaas, der stellvertretende Verbandsvorsitzende der Vereinigung.

Zugelassen seien aber nur drei. Eine Psycholyse, wie sie der Berliner Arzt in seiner Praxis angeboten hatte, sei von den Kassen «explizit nicht zugelassen».

Ein derartiger Einsatz von Drogen sei in Deutschland «eindeutig verboten», sagt auch der Vizepräsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Laszlo Pota. «Das fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.»

Was den Arzt dazu getrieben habe, die Substanzen zu verabreichen, könne er nicht nachvollziehen. Nach seiner Ansicht droht dem Berliner Mediziner der Entzug der Zulassung. (sda/dct)
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