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Heute sagt Wolfgang O.*, der Geschäftsmann, der von den Schweizer Prügelschülern fast totgeschlagen wurde, vor Gericht aus. Erstmals erfährt die Welt von seinem Leidensweg. Gerichtssprecherin Margarete Nötzel berichtete heute Mittag vom Prozess und vom Auftritt des Geschäftsmannes.
Nötzel: «Der ist so unglaublich schwer verletzt. Das Gesicht dieses Mannes ist komplett zertrümmert worden, der hat einen Leidensweg hinter sich, was die Operationen angeht, das kann man sich kaum vorstellen.»
Gesicht wie ein «eingeklopftes Glasgefäss»
«Man musste das ganze Gesicht zusammensetzen, wie ein Glasgefäss, das an einer Stelle eingeklopft wurde und dann ganz zusammenfällt – so können Sie sich das vorstellen», sagte Nötzel weiter.
Die Attacke der Schweizer ist jetzt fast ein Jahr her. Aber Wolfgang O.s Sehen und Hören sind noch immer eingeschränkt. Er trug auch ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davon, und auch seine kognitiven Fähigkeiten haben Schaden genommen. «Es klingt nicht so, als ob ihm die Ärzte grosse Hoffnungen machen würden, dass sich sein Gesundheitszustand verbessern wird», sagte Nötzel. Mit der Reha hat Wolfgang O. noch gar nicht angefangen. Die vorläufig letzte OP war im Januar.
Täter waren sichtlich betroffen
Seine Arbeit als Versicherungskaufmann kann Wolfgang O. nicht mehr wie früher verrichten. «Dabei hat Wolfang O. eine Frau und einen kleinen Sohn», gab Nötzel zu Bedenken. «Ich sage aus meiner Sicht: Der muss natürlich um seinen Arbeitsplatz fürchten.» Als klar war, dass er vor Gericht aussagen würde, habe Wolfgang O. professionelle psychologische Hilfe angenommen.
Heute schilderte Wolfgang O. also vor Gericht die enormen Leiden, die er wegen den drei Schweizer Jugendlichen durchmachen muss. Er sprach von Schmerzen, zahlreichen Operationen, von seinen Entstellungen.
Während er aussagte, war es ganz still im Gerichtssaal. «Man hätte eine Stecknadel fallen hören können», beschreibt Nötzel. «Alle Anwesenden konnte sich dieser Schilderung nicht entziehen.»
Mike, Benji und Ivan scheinen jetzt endlich auch einmal begriffen zu haben, dass sie Leben zerstörten. Noch immer schwiegen sie. Aber sie zeigten Emotionen. Jedenfalls waren sie Nötzel zufolge «alle sichtlich getroffen von den Schilderungen.»
Heute ist letzte Chance für eine Entschuldigung
Wolfgang O. habe seine Geschichte sehr sachlich und ruhig vorgetragen. «Man hat gemerkt, dass er sich sehr konzentriert hat», so Nötzel. Und: «Man hat keinerlei Aggressionen in Richtung der Angeklagten gespürt. Man hat aber gespürt, dass er selber noch sehr leidet, wenn er die Vorgänge schildert.»
Wolfgang O. habe vor Gericht nicht sagen können, welcher der drei Prügelschüler ihn wo und in welcher Weise getroffen habe. «Er hat einen einzigen Schlag auf seinen Kopf in Erinnerung – danach gibts nicht mehr», sagte Nötzel.
Hat Wolfgang O. bis jetzt eigentlich je eine Entschuldigung gehört von den Schweizern? Offenbar haben sich Mikes Eltern bei dem Versicherungskaufmann entschuldigt – schriftlich. «Das war alles», weiss Gerichtssprecherin Nötzel.
Das heisst: Weder Benji, Ivan oder deren Eltern haben sich jemals bei Wolfgang O. gemeldet.
Wolfgang O. wird als Nebenkläger nicht zur weiteren Zeugeneinvernahme geladen. Die Prügelschüler hätten also nur noch heute die Möglichkeit, sich persönlich bei ihm zu entschuldigen.
Nur ein Opfer erkannte sie heute wieder
Auch das letzte Opfer der drei Schweizer, der Student (27), wurde heute befragt. Gemäss Nötzel wurde er im Vergleich zu Wolfgang O. nicht schwer verletzt. Er trug Blutergüsse davon und habe nicht so grosse Probleme gehabt. Dies auch, weil er wesentlich jünger ist als der 46-jährige Geschäftsmann. Dennoch: «Auch der Student hatte danach seelische Probleme.»
Der Student ist im Übrigen das einzige der fünf Opfer, das einen der Angeklagten heute im Gericht wiedererkannt hat.
*Name der Redaktion bekannt