Portugal-Albtraum Prügelopfer wehrt sich gegen Leser-Vorwürfe

  • Aktualisiert am 19.01.2012

ZÜRICH – Simon Wildhaber nimmt aus seinen Ferien in Portugal schlimme Erinnerungen an grobe Polizisten mit. Der Vorwurf, alles sei erfunden, lässt er nicht auf sich sitzen.

Der Thurgauer Simon Wildhaber und seine Freundin Zelia Mendes machen Urlaub an der portugiesischen Küste. Doch aus dem Urlaubstraum wird ein Albtraum, als es zum Krach mit anderen Touristen kommt. Es fallen Worte wie «Schlampe» – und plötzlich ist die Polizei da.

Was Wildhaber von der Behandlung durch die Uniformierten erzählt, klingt nach übelsten Misshandlungen ohne Grund. Und auch die Fotos zeigen ihn und Mendes in einem ziemlich lädierten Zustand (Blick.ch berichtete).

Dennoch nehmen ihm viele Leser nicht ab, dass sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat. «Nur eine verbale Auseinandersetzung mit anderen Touristen und dann kommen 12 ‹Brutalo-Polizisten› und schlagen einfach zu? So etwas Krasses habe ich noch nie erlebt oder davon gehört. Wohl zu viele Action-Filme gesehen», meint etwa Antonia Isabel aus Solothurn.

Und Reto Wenger aus Interlaken schreibt: «Diese Geschichte tönt völlig absurd und unglaubwürdig. Möchte gerne wissen, was da vorher mit den ‹anderen Touristen› genau abgelaufen ist. Und die Stellungnahme der Polizei würde bestimmt auch ein völlig anderes Bild darstellen.» Erwin Meister aus Dübendorf ist sich sicher, dass kein Polizist in einem Touristenort an der Algarve irgendein Interesse habe, so in die Presse zu kommen.

Verständnis für die Kritiker

Simon Wildhaber hat von sich aus den Kontakt mit Blick.ch gesucht, um auf diese Vorwürfe zu antworten. Er verstehe es bestens, dass die meisten Leute nicht glaubten, was er erlebt habe, sagt er am Telefon. «Wir hätten so etwas ja auch nie erwartet.»

Und dann berichtet er, wie es genau zu den Provokationen gekommen sei: «Wir kamen aus der Disco raus und meine Freundin trug ihre hochhackigen Schuhe in der Hand, weil ihr die Füsse wehtaten. Da begegneten uns zwei Pärchen. Eine der Frauen begann, meine Freundin auf Portugiesisch blöd anzumachen, in dem Sinne: Schaut, diese Schlampe kann nicht mal mehr in ihren Schuhen laufen.»

Die Frau sei eben nicht davon ausgegangen, dass seine Freundin als gebürtige Portugiesin alles verstehen würde, betont Wildhaber. Es kam in der Folge zu einigen verbalen Gehässigkeiten, doch bald schritt die Polizei ein, denn das Ganze spielte sich unmittelbar vor einem Posten ab. Die Beamten trennten die Streithähne.

Sie kamen nur 100 Meter weit

Wildhaber, seine Freundin, deren Bruder und seine Freundin machten sich daraufhin auf den Weg zum Hotel. «Doch wir kamen nur 100 Meter weit, da wurde der Bruder meiner Freundin von zwei Polizisten von hinten gepackt und auf den Boden gedrückt. Ich ging hin und fragte ohne Aggressivität, was das solle. Schliesslich sind wir es uns ja aus der Schweiz gewohnt, dass man mit Polizisten vernünftig reden kann.»

Doch nach dem zweiten Nachfragen wurde auch er von Uniformierten übermannt, während immer mehr Polizisten dazu stiessen. So nahm die Geschichte ihren Lauf, die für die Wildhaber und Co. sehr unerfreulich endete. Nach der brutalen Behandlung mussten sie noch vor Gericht antanzen, «doch dort haben wir natürlich Recht erhalten», sagt der Thurgauer.

Raue Burschen

Die aussergewöhnliche Brutalität der Polizisten erklärt er sich damit, dass es sich um Sondereinheiten handle, die normalerweise mit Fussballhooligans zu tun hätten. Wie Wildhaber gehört hat, würden diese groben Burschen jeweils im Sommer an die Küste versetzt, um Radaubrüder unter den Touristen zur Rechenschaft zu ziehen. «Die fragen nicht nach, sondern da chlöpft es sofort.»

Die schlechte Behandlung will er nicht auf sich sitzen lassen. «Ich habe Anklage erhoben und wenn nötig ziehen wir das bis zum höchsten Gericht Portugals durch!», zeigt sich Wildhaber entschlossen. Mit den «normalen» Polizisten hat er an der Algarve übrigens nur beste Erfahrungen gemacht: «Die sind immer superfreundlich». (hhs)

Simon und Zelia: Hier ist das Paar noch in bester
Ferienlaune.- ZVG

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