Elite-Gymnasium Priester missbrauchten jahrelang Schüler

  • Publiziert: 28.01.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
play Das Canisius-Kolleg ist wegen Missbrauchsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten. (AP)

BERLIN – Das Canisius-Kolleg in Berlin ist eine Schmiede für zukünftige Führungskräfte. Jetzt erschüttern Missbrauchsvorwürfe das Elite-Gymansium.

Viele Absolventen des von Jesuiten geführten Canisius-Kollegs sind heute in führenden Positionen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft tätig. Doch jetzt ist das Berliner Elite-Gymnasium wegen sexuellen Übergriffen der Lehrer auf die Schüler in den Schlagzeilen.

Der Rektor, Pater Klaus Mertes, schrieb laut einem Bericht der Berliner «Morgenpost» in einem Brief an 600 ehemalige Schüler, dass mindestens zwei Padres in den 70er und 80er Jahren die Straftaten begangen hätten.

Erschütterung und Scham

«Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen», schrieb Pater Mertes demnach an die früheren Schüler.

Bereits in den vergangenen Jahren seien vereinzelt Vorfälle bekannt geworden. Nach einer schulinternen Veröffentlichung über Missbrauchs-Taten seien zum Jahreswechsel mehrere ehemalige Schüler auf ihn zugekommen.

Erschlagen von der Wucht der Vorfälle

Mertes wollte der «Morgenpost» nicht die genauen Opferzahlen nennen. «Die Wucht der Vorfälle hat mich aber erschlagen», sagte er. Er habe den Opfern volle Diskretion zugesagt. Es stehe ihnen frei, sich an die Polizei oder Öffentlichkeit zu wenden.

Die beiden unter Verdacht stehenden Padres haben die Schule und auch den Jesuiten-Orden laut Mertes in den 80er Jahren verlassen und seien seitdem nicht mehr an einer Schule tätig gewesen. Unter welchen Umständen sie das Kolleg verlassen haben, sei unklar und solle untersucht werden.

Keine Anzeigen

Wie eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft sagte, sind der Behörde gegenwärtig keine Anzeigen zu sexuellem Missbrauch am Canisius-Kolleg bekannt. Grund dafür könnte die Prominenz der Opfer sein.

Die in den 70er Jahren verübten Taten dürften zumindest weitgehend strafrechtlich verjährt sein, je nach Tatzeitpunkt könnten aber die Taten aus den 80er Jahren durchaus noch zu einer juristischen Verfolgung führen. (gca/SDA)

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