Pilot Brunner: «Es ist, als ob man gegen Beton knallte»

  • Publiziert: 16.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

ZÜRICH – Olav Brunner ist als Swissair-Pilot selbst immer wieder von New York aus gestartet. Er weiss, was bei einer Wasserlandung passiert. Nur dank «enormen Glück und Können» gabs gestern ein Happy End am Hudson River.

Olav Brunner (68) arbeite jahrelang bei der Swissair als Jumbojet-Pilot. Er kennt die Gegend rund um den Hudson River selbst ganz genau. Und er weiss, welche Leistung der «Held vom Hudson», Chelsey B. Sullenberger (58), mit seinem notgelandeten Airbus A280 vollbracht hat. «Der Pilot hat das hervorragend gemeistert. Aber die Bedingungen waren natürlich auch ideal», erklärte Brunner gegenüber Blick.ch.

«Enormes Glück und Können»

Nur dank «enormen Glück und Können» gab es gestern auf dem Hudson River ein Happy End. Nur etwas Wellengang, und die Notlandung hätte in einem Desaster geendet, ist sich Brunner sicher. «Doch Gott sei dank war die Oberfläche des Flusses spiegelglatt!»

«Bei einer Wasserung muss das Flugzeug parallel zum Wellengang gelandet werden. Sind die Wellen hoch oder hat es Wind, dann ist das ein unglaublich schwieriges Unterfangen», erklärt Brunner.

«Ausserdem war es ein unglaubliches Glück, dass zum Zeitpunkt der Landung keine Boote unterwegs waren. Wäre das Ganze nur etwas weiter oben passiert, hätte es nicht geklappt. Denn dann kommt schon die erste Brücke.»

Praktisch nicht zu üben

Wie üben denn Piloten eine Notlandung auf dem Wasser? «Praktisch kann man das nicht üben, das geht nur theoretisch mit einem Flugsimulator», erklärt Brunner. Eine Wasserlandung sei aber grundsätzlich weniger schwierig als eine Notlandung auf dem Land. «Zum einen ist die Feuergefahr bei einer Wasserung gleich Null. Zum anderen treten auf dem Land mehr Hindernisse wie Gebäude oder Autos auf», so Brunner.

«Doch auch eine Wasserlandung hat ihre Tücken. Die wenigsten gehen so glimpflich aus wie diese. Hat es Wellen, werden Räder, Tragflächen, Rumpf weg- und aufgerissen. Dazu schlägt das Flugzeug aufgrund der hohen Geschwindigkeit mit einer enormen Wucht auf das Wasser auf. Es ist, als ob man gegen eine Betonwand knallen würde».

Keine Notlandung auf dem Rhein

Wäre eine Landung mit einer solchen grossen Maschine wie dem Airbus A280 auch auf Schweizer Gewässern möglich? «Klar. Auf dem Zürichsee, dem Genfer- oder Bodensee gäbe es sicher genug Platz. Aber auf einem Fluss? Nein, eher nicht. Selbst der Rhein ist dafür zu wenig breit und es hat viel zu viele Brücken», erklärt Brunner. (gux)

play Ex-Swissairpilot und Aviatikexperte Olav Brunner. (Blick)

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