Blind, taub, tot Pfizer testete gefährliches Medikament an afrikanischen Kindern

  • Aktualisiert am 02.01.2012

NEW YORK – Das Antibiotikum Trovan war einst ein Verkaufsschlager von Pfizer. Heute ist es verboten. Getestet wurde das Medikament an nigerianischen Kindern – mit verheerenden Folgen.

Nigerianische Familien dürfen den weltgrössten Pharmakonzern Pfizer in den USA für Medikamententests an ihren Kindern vor Gericht bringen. Sie lasten dem milliardenschweren Unternehmen an, ohne ihr Einverständnis das Antibiotikum Trovan an 200 Jungen und Mädchen ausprobiert zu haben.

Elf der Kindern starben laut Klageschrift, andere wurden demnach blind, taub oder erlitten Hirnschäden. Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten wies gestern ohne weitere Begründung einen Einspruch von Pfizer ab.

Das Unternehmen sieht die US-Justiz als nicht zuständig an und verneint jede Schuld. Pfizer stellt sich auf den Standpunkt, die Familien und die nigerianische Regierung seien über die Tests mit dem damals noch nicht zugelassenen Medikament informiert gewesen.

Höhere Überlebenschance

Die Geschehnisse liegen weit zurück im Jahr 1996. Damals hatte ein Ausbruch der Hirnhautentzündung in Nigeria Tausende Menschen getötet, vor allem die Jüngsten. Pfizer sagt, dass die mit Trovan behandelten Kinder eine höhere Überlebenschance gehabt hätten.

Trovan – einst einer der Verkaufsschlager von Pfizer – ist höchst umstritten. Das Antibiotikum darf heutzutage in den USA nur in Notfällen bei Erwachsenen angewendet werden, nachdem die Gesundheitsbehörde FDA schwere Leberschäden festgestellt hatte.

In Europa ist es seit 1999 ganz verboten. Mit nigerianischen Behörden hat sich Pfizer bereits auf die Zahlung von 75 Mio. Dollar geeinigt, um Klagen beizulegen. (gca/SDA)

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