
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Ein kamerunischer Kleriker küsst Benedikts Ring nach dessen Ankunft in der Hauptstadt Jaunde. (AP)
Kondome sind für den Vatikan des Teufels: Eine Haltung, die Papst Benedikt XVI. auch auf seiner derzeitigen Afrikareise vertritt. 22 Millionen Schwarzafrikaner sind mit HIV infiziert – doch Pariser seien gegen die Epidemie keine Lösung, betonte der Deutsche gestern in Kameruns Hauptstadt Jaunde.
Und der «Stellvertreter Gottes auf Erden» ging gar noch weiter: «Die Benutzung von Kondomen verschlimmert vielmehr das Problem», behauptete Benedikt. Je mehr Verhüterli verwendet werden, umso stärker breitet sich Aids also aus?
Diese Logik des Papstes sorgt für Empörung. Denn dass Pariser – nach sexueller Enthaltung – das effizienteste Mittel gegen Aids sind, haben etliche Forschungen belegt. Die «New York Times» zitiert eine kürzlich veröffentlichte medizinische Studie, die zum Schluss kommt, dass Gummis die Aids-Übertragungsrate um 80 Prozent senken.
Die Geschäftsführerin von Unicef Deutschland, Regine Stachelhaus, erklärte: «Erwachsene und Jugendliche müssen über die Ansteckungswege Bescheid wissen – und darüber, wie man sich vor Aids schützen kann». Dabei denkt sie in erster Linie an Kondome.
Sprituelle Erneuerung statt Parisern
Wissenschaftliche Ergebnisse scheinen Benedikt nicht im Geringsten zu beirren. Wie in anderen Fragen – Rehabilitation der Pius-Bruderschaft, Wiedereinführung des lateinischen Gottesdienstes oder die abgelehnte Aussöhnung mit den Reformierten – zeigt sich der Papst auch bei der Sexualmoral uneinsichtig. Dass er mit seiner erzkonservativen Haltung gerade in Europa viele liberale Schäfchen aus den Kirchen treibt, nimmt er offenbar in Kauf.
Fast schon zynisch muten die Rezepte an, mit denen Joseph Ratzinger der Immunschwäche-Krankheit in Afrika den Garaus machen will: Eine spirituelle und menschliche Erneuerung sei der einzige Weg aus der auf dem Schwarzen Kontinent grassierenden Aids-Seuche. Doch mit Beten alleine wird das Virus kaum verschwinden. (hhs)