Vor Messe Papst-Angreiferin ist Schweizerin!

  • Publiziert: 24.12.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

ROM – Kurz vor Beginn der Weihnachtsmesse in Rom: Eine geistig behinderte Frau mit Schweizer Pass setzt sich über die Barrieren hinweg – und stösst den Papst zu Boden!

Die Frau, die an Heiligabend während der Mitternachtsmesse im Vatikan Papst Benedikt XVI. zu Fall brachte, ist 25 Jahre alt und hat einen Schweizer und einen italienischen Pass. Dies sagte Vatikansprecher Federico Lombardi heute vor den Medien in Rom.

Susanna M. sei inzwischen hospitalisiert worden, sagte er ohne weitere Details zu nennen. Dem Papst dagegen gehe es gut. Er hat wie geplant heute Mittag von seinem Balkon über dem Petersplatz aus den Segen «Urbi et Orbi» gesprochen.

Während des Zwischenfalls ebenfalls gestürzt war der französische Kardinal Roger Etchegaray, obwohl er einige Meter vom Papst entfernt war. Der 87-Jährige erlitt dabei einen Bruch des Oberschenkels. Er müsse operiert werden, sagte der Vatikansprecher. Dem Kardinal gehe es aber den Umständen entsprechend gut.

Die offenbar geistig verwirrte Frau hatte sich am gestern Abend während der Einzugsprozession für die Messe im Petersdom auf Benedikt gestürzt und diesen zu Fall gepracht. Der 82-Jährige konnte mit Hilfe wieder aufstehen und feierte anschliessend die Messe wie geplant.

Die Angreiferin wurde anschliessend von der Vatikan-Polizei festgenommen und verhört. Nach ihren eigenen Angaben hatte sie den Papst lediglich umarmen wollen. Laut dem Vatikansprecher hatte die 25-jährige Susanna M. bereits vor einem Jahr versucht, während der Christmette die Absperrungen zu durchbrechen.

Egoismus überwinden

In seiner Weihnachtspredigt rief Benedikt die Menschen dazu auf, den Egoismus zu überwinden und Gott höchste Priorität einzuräumen. «Der Streit in der Welt, die Unversöhnlichkeit miteinander rührt daher, dass wir eingeschlossen sind in die eigenen Interessen und Meinungen», erklärte er im dicht besetzten Petersdom.

Der Mensch könne Gott ähnlich werden, aber nur, wenn er Demut und so die wahre Grösse lerne. Es gehe darum, der Gewalt zu entsagen «und nur die Waffen der Wahrheit und der Liebe zu benutzen», fügte Benedikt an.

Doch die meisten Menschen wohnten weit weg von Jesus Christus, dem Menschgewordenen, beklagte der Papst. «Wir leben in Philosophien, in Geschäften und Arbeiten, die uns ganz ausfüllen und von denen aus der Weg zur Krippe weit ist.»

Gott hat Vorrang

In der Liste der Prioritäten stehe Gott also häufig so ziemlich an letzter Stelle, obwohl doch das Evangelium sage, dass er Vorrang habe: «Wenn irgendetwas in unserem Leben Eile ohne Aufschub verdient, dann doch allein die Sache Gottes.»

Auf dem Petersplatz vor der Basilika verfolgten Tausende Menschen die Weihnachtsmesse zur Geburt Jesu bei Regenwetter und starkem Scirocco-Wind auf Videoleinwänden. Zuvor wurde auf dem Petersplatz die traditionelle Krippe enthüllt.

Die Messe wurde von zahllosen TV- und Radio-Sendern weltweit meist live gezeigt. Am Freitag wird der Papst die Weihnachtsbotschaft verlesen und den Segen «Urbi et Orbi» spenden. (SDA/hhs/gux)

play Wohlbehalten und wieder auf den Beinen: Papst Benedikt. (Reuters)

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