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Die Erde bebte in Haiti – und die US-Regierung verlor keine Zeit: Wenige Stunden nach der Katastrophe schickte Präsident Barack Obama humanitäre Hilfe in den zerstörten Karibikstaat. Eine Aktion von enormem Ausmass: Tausende Soldaten, Rettungskräfte, Ärzte, zahlreiche Helikoptern und Schiffe nahmen Kurs auf Haiti.
Hinter der Aktion steckt unbestritten ein humanitärer Hilfsgedanken – aber auch eine Portion Eigennutz. Denn die USA wollen vor allem eins verhindern: Dass hunderttausende Haitianer als Flüchtlinge bei ihnen landen.
«Es kommt die USA billiger zu stehen, die Situation vor Ort so gut wie möglich zu stabilisieren, als Zehntausende neue Flüchtlinge aufzunehmen», erklärt Dieter Ruloff, Politikwissenschafts-Professor an der Uni Zürich und Experte für US-Aussenpolitik.
400000 Immigranten aus Haiti
Entsprechend lägen die Beweggründe von Obama und seiner Aussenministerin Hillary Clinton – neben dem unmittelbaren Bedürfnis zu helfen – vor allem auch in der Flüchtlingsproblematik. Bereits heute leben mehr als 400000 haitianische Immigranten in den USA – und jede weitere Krise im praktisch gescheiterten Staat liesse den Flüchtlingsstrom weiter anschwellen.
Der gesamte amerikanische Kontinent gilt spätestens seit dem 19. Jahrhundert als «Hinterhof» der USA. «Spiegel online» geht so weit, hinter der enormen Solidaritätsbekundung der Amis «strategische Interessen» Washingtons zu vermuten.
Das glaubt Ruloff weniger. «Haiti ist spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr von strategischer Bedeutung für die USA. Dafür ist die Bedrohung durch das benachbarte Kuba zu schwach geworden. Und mit Puerto Rico hat Washington schon eine starke Basis in der Region.»
Und der venezolanische Störenfried Hugo Chavez, der den USA sonst die Vormachtstellung in der Region streitig macht, übe im französisch geprägten Land kaum Einfluss aus. Auch Aussenhandels-Interessen steckten nicht hinter dem Engagement, meint Ruloff: Mit dem bettelarmen Haiti lassen sich kaum Geschäfte machen. Die Insel habe auch keine besonders interessanten Rohstoffe zu bieten.
Barack Obama und sein Vize Joe Biden zeigten sich nach dem Erdbeben auf Haiti betroffen – und schickten rasch Hilfe.- Reuters