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Libyens Staatschef Muammar Gaddafi. (Keystone)
Muammar al-Gaddafi schäumt. Der Zorn des irren Wüstendiktators richtet sich für einmal nicht gegen die Schweiz, sondern gegen unseren Nachbarn Deutschland.
Der Grund? Eine kleine diplomatische Verstimmung: Im Mai wurden in Berlin zwei Libyer festgenommen – offenbar Spione.
Die 42 und 46 Jahre alten Männer sollen systematisch libysche Oppositionelle in ganz Europa ausspioniert haben – mit unangenehmen Folgen für deren Angehörige in Libyen. Beide mutmasslichen Spione sitzen in Berlin in U-Haft und wurden einem Haftrichter vorgeführt.
Das deutsche Auswärtige Amt fürchtet nun laut «Focus» «harte Vergeltungsschläge» durch Gaddafis Regime – sofern es denn zu einem Prozess gegen die Spione kommen sollte. Die Sicherheitsbehörden sprechen sogar von möglichen «Repressalien» gegen in Libyen tätige deutsche Geschäftsleute. Dabei sind die zwei Libyer nicht mal mit Gaddafis Familie verwandt. Da Libyen ein nicht unwichtiger Handelspartner für Berlin ist, hoffen Diplomaten auf ein schnelles Ende der Affäre. Das geht nur, wenn die Angeklagten kooperieren. Die Intervention des libyschen Botschafters Jamal Omar al-Baraq in Berlin ging schon mal schief. Er versuchte den Prozess vor dem Berliner Kammergericht abzuwenden, wurde aber auf die Unabhängigkeit der deutschen Justiz hingewiesen. Auch die Schweiz argumentierte im Fall Hannibal zu Beginn ähnlich – bekanntlich ohne Erfolg.
Was das für die deutschen Geschäftsleute heissen könnte, zeigte der Fall von ABB-Manager Max Göldi. Er und sein Kollege Rachid Hamdani wurden in Tripolis von Gaddafi als Geiseln gefangen gehalten – wegen Visa-Vergehen. Göldi musste für vier Monate in den Knast. Ein Racheakt – weil Gaddafis Sohn Hannibal in Genf verhaftet wurde. Göldi kam nach knapp zwei Jahren wieder frei.
Das Auswärtige Amt verweist bei der internen Studie zur Spionage-Affäre explizit auf den Fall Göldi. Immerhin: Noch haben die Deutschen die Spione als Pfand in der Hand.