Klimagipfel Kopenhagen Nichts geht mehr

KOPENHAGEN – US-Präsident Obama versuchte am Uno-Klimagipfel vergeblich, die Staats- und Regierungschefs für eine Einigung zu gewinnen. Gut möglich, dass der Gipfel verlängert wird.

  • Publiziert: 18.12.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
play Ein Problem, viele Interessen: Die Staatsführer versuchen am Weltklimagipfel in Kopenhagen, sich in letzter Minute doch noch zu einigen. (Reuters)

Kaum war Obama im Kongresszentrum von Kopenhagen angekommen, kam er mit den wichtigsten Führern der Welt im kleinen Kreise zusammen. Mit den Staatschefs wichtiger Länder machte sich Obama daran, ein Abkommen auszuarbeiten, das eine Erwärmung der Erde um mehr als zwei Grad verhindert.

Die Beratungen der Vertreter von mehr als 20 Staaten und Weltregionen verliefen nach Angaben aus Verhandlungskreisen sehr zäh. Schon in der Nacht auf heute hatten Spitzenpolitiker an einem Kompromiss gefeilt.

China, Indien wollen keine Kontrollen


Chinas Premier Wen Jiabao war bei den Treffen nicht dabei. Er traf sich aber zu einem separaten, knapp einstündigen Gespräch mit Obama. In das bilaterale Gespräch waren grosse Hoffnung gesetzt worden.

Die beiden Spitzenpolitiker hätten alle strittigen Punkte direkt angesprochen, hiess es aus der US-Delegation. Nebst der internationalen Kontrolle der Reduktionsziele beim Ausstoss von Treibhausgasen ging es vor allem um Finanzhilfen an die Entwicklungs- und Schwellenländer.

Als Haupthindernis für ein Klimaabkommen gilt die Kontrolle der angekündigten Klimaschutzbemühungen. Die Führung in Peking, aber auch Indien, lehnen es vehement ab, sich bei den Klimaschutzmassnahmen kontrollieren zu lassen. Darauf bestehen aber die USA.

«Das macht keinen Sinn»

Die USA wolle ihre Verantwortung als zweitgrösster Produzent von Treibhausgasen wahrnehmen, sagte Obama. Er forderte aber zugleich stärkere Beiträge anderer Länder. Entscheidend sei dabei die Kontrolle von Klimaschutzmassnahmen. «Ohne Überprüfbarkeit bestünde jede Übereinkunft nur aus leeren Worten auf einem Stück Papier. (...) Das macht keinen Sinn.»

Der Streit zwischen den USA und China belastete auch die langfristige Finanzierung von Klimamassnahmen in den Entwicklungsländern, wie es aus Delegationskreisen hiess. Für diese Finanzierung werden ab 2020 jährlich bis zu 100 Milliarden Dollar benötigt. Ohne Zusagen für eine internationale Kontrolle wollen die USA nicht in den 100-Milliarden-Topf einzahlen.

Weniger umstritten ist die Anschubfinanzierung für die Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern. Die Verhandlungen für die Mittel von rund 30 Milliarden Dollar von 2010 bis 2012 verliefen relativ flott.

Freiwilliger Einsatz

Der chinesische Ministerpräsident pries vor der Plenarversammlung vor allem die bisherigen Anstrengungen seines Landes. China habe den Anteil der erneuerbaren Energie in den vergangen Jahren deutlich erhöht. Wen kündigte an, dass China seine Klimaziele auch umsetzen werde – auch ohne Einigung in Kopenhagen.

Auch sein Verbündeter, der indische Premierminister Manmohan Singh sagte freiwillige Klimaschutzmassnahmen zu, betonte aber den wirtschaftlichen Aufholbedarf der Entwicklungsländer. Dies müsse respektiert werden, sagte Singh.

Ziel des Gipfels war es, sich auf die Grundzüge eines neuen Klimaabkommens zu einigen, das am 1. Januar 2013 das Kyoto-Protokoll ablösen soll. Denkbar ist eine Verlängerung des Gipfels bis Samstagmorgen. (SDA/gux)

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