Neue Details zum Berlin-Attentäter Anis Amri (†24) Er schickte Selfies aus dem Terror-Truck

DUISBURG (D) - Neue Details zum Strafregister des Lastwagen-Attentäters von Berlin: Anis Amri erschwindelte Sozialhilfe, schlug einen Wachmann und suchte im Netz Bombenpläne. Trotzdem wurde die Gefahr eines Anschlags als gering eingestuft.

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Zwölf Menschen hat er auf dem Gewissen, 50 weitere hat er zum Teil schwer verletzt. Anis Amri (†24), der Mann, der am 19. Dezember mit einem Lastwagen in Berlin in den Weihnachtsmarkt bei der Gedächtnis-Kirche raste, war vorher mehrmals ins Visier der Justiz geraten. 

Wie der «Spiegel» heute schreibt, beging Amri letztes Jahr Sozialhilfebetrug. Der Tunesier hatte acht verschiedene Identitäten benutzt, um im November 2015 mehrfach Sozialleistungen abzustauben. Die Schwindel flog auf. Die Staatsanwaltschaft Duisburg (D) eröffnete letzten April ein Ermittlungsverfahren gegen Amri. 

Auch in Berlin kannten ihn die Beamten

Ausserdem war er auch der Berliner Staatsanwaltschaft bekannt. Amri – der 2015 unter dem Namen Ahmad Zaghoul auftrat – soll einen Wachmann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Das Verfahren wurde bald aber wieder eingestellt, da Zaghoul nicht auffindbar war. 

Wie der «Spiegel» schreibt, habe das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Amri später absichtlich unter dem falschen Namen aufgeführt – um ihn in Sicherheit zu wiegen. Gleichzeitig liefen die Ermittlungen weiter.

Anschlag galt als «unwahrscheinlich»

Ein Vertreter jener Behörde war bei einer Besprechung über den Fall Amri im März 2016 dabei. Zwei Mal wurde darüber diskutiert, ob er einen Anschlag in Deutschland planen könnte. Laut «Bild» wurde dies beide Male als unwahrscheinlich eingestuft.

Im gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum wurde anschliessend entschieden, Amri eine Duldungsbescheinigung auf den Namen Ahmed Almasri auszustellen. Es ist dieser Ausweis, den Ermittler in der Führerkabine des Todes-LKW fanden.

Wie die «Süddeutsche» schreibt, suchte Amri ausserdem im Internet nach Anleitungen für den Bau von Rohrbomben und stellte Nachforschungen über die chemischen Prozesse für die Herstellung von Sprengstoff an.

Neues Profil fünf Tage vor der Tat

Noch am 14. Dezember, also fünf Tage vor dem Anschlag, erstellten die Sicherheitsbehörden ein neues Personenprofil Amris – inklusive aller Identitäten, Fotos, Sprachkenntnisse, wechselnde Wohnsitze, Gefängnisaufenthalte wegen Diebstahl in einer Asylunterkunft und vor allem verschiedener Kontakte zur Terrorgruppe Islamischer Staat. 

Noch kurz vor dem Attentat chattete Amri aus der Führerkabine des Lastwagens mit einem Verbündeten. Laut der «Süddeutschen» schrieb der Terrorist im Chat: «Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich, mein Bruder, bete für mich.» Dann verschickte er ein Selfie und nahm Kurs auf den Weihnachtsmarkt. Zum Stehen kam das Fahrzeug erst durch die Unfallautomatik des Trucks, die ihn abbremste und dadurch noch Schlimmeres verhinderte. (stj)

Publiziert am 29.12.2016 | Aktualisiert am 15.01.2017
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7 Kommentare
  • Urs  Hagen 30.12.2016
    Die 2 Türme in den USA waren der Startschuss von weltweiter Überwachung, Terror hier etwas dort und so schreit das Volk förmlich nach einem starken Führer und Überwachung die aufräumt.
  • Daniel  Kohler aus Wohlen
    29.12.2016
    Der Fall zeigt vor allem Eins: Die Täter und Sympathisanten sind bestens bekannt, für eine Verhaftung gabs längst genügend Gründe. Es braucht also weder mehr Geheimdienst, noch mehr Überwachung oder gar Gesetze, die die Freiheit der Bürger einschränken. Dass grad mal ein Einziger von Dutzenden bekannten Unterstützern und Eingeweihten Amris verhaftet wurde, spricht Bände. Man will nicht.
  • Remo  Albrecht aus Höri
    29.12.2016
    Hat man schon gelesen, an was für "Verbündeten" und sein Umfeld er die Nachrichten geschickt hat? Hoffe die Polizei hat inzwischen da reagiert und gehandelt. Wir erwarten keine Vorführung von Leuten wie in der Türkei. Es ist aber gut, wenn diesbezüglich die Polizei zuerst einmal unter der Decke ermittelt, ohne das Nachnahmetäter oder das terroristische Umfeld davon Wind und Anleitungen für die nächste Tat gratis erhalten.
    Wann wird endlich härter im Vorfeld durchgegriffen?
  • Gustav  Nörgeli 29.12.2016
    Schade ist halt einfach, dass bei allen Terrorakten der letzten Monate in D und F es der Polizei offenbar einfach nicht gelingt, die Verdächtigten dingfest zu machen, statt sie zu erschiessen. So kam es bisher leider nie zu einem ordentlichen rechtsstaatlichen Gerichtsverfahren, bei dem es eigentlich nur einen "verlorenen Ausweis" als Beweismittel gibt.
    Sind diese Terroristen eigentlich so pflichtbewusst, dass sie immer am Tatort ihren Ausweis hinterlassen?
  • Karen  Mind 29.12.2016
    Warum werden nicht Fingerprints oder Irisabdrücke genommen? Die sind eindeutig und so kann sich niemand unter mehreren Namen registrieren lassen.