Neonazi sticht Polizei-Chef nieder

  • Publiziert: 14.12.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

PASSAU (D) – Im bayrischen Passau ist der Direktor der örtlichen Polizei schwer verletzt worden. Vermutlich von einem Rechtsextremisten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach heute von einer neuen Dimension rechter Verbrechen in dem Bundesland.

Polizeidirektor Alois Mannichl war am späten Samstagnachmittag vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell bei Passau von einem unbekannten glatzköpfigen Mann niedergestochen worden. Der etwa 1,90 Meter grosse Mann hatte Mannichl zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt.

Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. «Das ist eine Sache von zwei Zentimetern gewesen», betonte Herrmann. Nach einer Notoperation ist der Polizeichef ausser Lebensgefahr. Das Opfer wurde ebenso wie seine Familie unter Polizeischutz gestellt.

In Passau hatte es in diesem Jahr mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Im Juli hatten Rechte nach der Beerdigung eines ehemaligen Neonazi-Funktionärs in der Stadt randaliert und mehrere Menschen angegriffen.

Da bei der Beisetzung auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen wurde, hatten die Ermittler später das Grab öffnen und die Fahne entfernen lassen.

Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertages am 16.#November Mitglieder der extremistischen Partei «belästigt» habe. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Polizeichefs hat es nach Angaben der Ermittler aber nicht gegeben.

Nach der Tat von gestern ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen versuchten heimtückischen Mordes. Die Passauer Kriminalpolizei hat eine 20-köpfige Sonderkommission zur Aufklärung der Bluttat ins Leben gerufen, auch das Bayerische Landeskriminalamt ist in die Ermittlungen eingebunden. (SDA)

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