Iran: Nedas Todeskampf schockt die Welt

  • Publiziert: 21.06.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

TEHERAN - Eine junge Iranerin wird von einem Heckenschützen erschossen, während sie sich die Proteste ansieht. Ihr grausamer Todeskampf kursiert jetzt im Internet - und macht Neda («Stimme») zur Symbolfigur der Opposition.

Laut einem Arzt, der Neda zu retten versuchte, wurde die Iranerin erschossen, als sie sich gemeinsam mit ihrem Vater die Protestkundgebungen ansah. Der Schuss des Heckenschützen soll sie direkt ins Herz getroffen haben, so dass jede lebensrettender Eingriff zu spät kam. Die junge Iranerin starb innerhalb von zwei Minuten. Unbestätigten Meldungen zufolge soll der Schuss vom Haus eines Mitglieds der regierungstreuen Bassidschi-Miliz stammen.

Schockierende Szenen

Im 40sekündige Video ist zu sehen, wie die junge Frau verwundet am Boden liegt. Angehörige versuchen verzweifelt sie zu retten. Blut strömt aus ihrer Brust, dann aus Nase und Mund. Wenige Sekunden später ist sie tot.

Blogger trauern

Als das Video ihres Todeskampfs auf der Internetplattform Youtoube und Facebook erscheint, bekunden bald Menschen aus der ganzen Welt ihr Beileid. Auf Twitter geben Blogger der unbekannten Toten einen Namen: Neda, was auf Farsi «Stimme» bedeutet.

Ihr sinnloser Tod macht Neda jetzt zur Symbolfigur der grössten iranischen Protestbewegung seit der Revolution 1979.

Obama schlägt härtere Tonart an

In seiner bisher deutlichsten Stellungnahme zu den Protesten im Iran forderte US-Präsident Barack Obama ein Ende der Gewalt. Die Regierung in Teheran müsse «jegliche Akte der Gewalt und der Ungerechtigkeit gegen das eigene Volk» einstellen. Ähnlich äusserte sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie forderte eine Neuauszählung der Stimmen der Präsidentenwahl. (sda/lec)

Journalist ausgewiesen

Der Korrespondent des britischen Senders BBC wurde am Sonntag des Landes verwiesen. Er habe nicht wahrheitsgemäss berichtet und die Demonstranten aufgehetzt, berichteten regierungsnahe Medien. Das Teheraner Büro von BBC bleibt aber geöffnet, wie der Sender mitteilte.

Die iranischen Behörden schränken seit Tagen die Arbeit ausländischer Korrespondenten ein und haben bereits mehrere Journalisten ausgewiesen. Berichte über die Demonstrationen gegen den Ausgang der umstrittenen Präsidentenwahl vom 12. Juni sind ausländischen Journalisten verboten.
play Betroffene bekunden auf Internetplattformen wie Twitter ihr Beileid für Neda. (Twitter)

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