Israel bombardiert Gaza – über 200 Tote

  • Aktualisiert am 19.01.2012

GAZA – Bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben mindestens 205 Menschen getötet und mehr als 750 weitere verletzt worden.

Rund 60 Kampfflugzeuge der israelischen Armee haben gegen 11.30 Uhr Ortszeit überraschend den Gazastreifen angegriffen. Rund 50 Einrichtungen der Hamas und 25 Abschussrampen seien zerstört worden.

In Gaza spielten sich chaotische Szenen ab. Im Minutentakt wurden Verletzte in das Schifa-Spital gebracht. Gemäss palästinensischen Angaben wurden mindestens 205 Menschen getötet und weitere 750 zum Teil schwer verletzt. Das sei die höchste Opferzahl an einem Tag seit dem Sechstagekrieg von 1967. Die israelische Armee bestätigte den Angriff.

Die Attacke auf die meist in Wohngebieten gelegenen Einrichtungen lösten in der Bevölkerung Panik aus: «Die Kinder schreien, wir wissen nicht, was wir tun sollen», klagte eine verzweifelte Muter laut «Spiegel Online». «Sollen wir zu Hause bleiben oder auf die Straße gehen? Wo ist es sicher? Um uns herum ist überall Rauch. Wir wissen nicht, was wir tun sollen.»

Israel: Einsatz wird andauern

Nach Angaben eines Armeesprechers war es erst der Anfang des Einsatzes gegen die radikalislamische Hamas gewesen. «Das kann dauern», sagte Avi Benjahu im Armeeradio. Es gebe keine Frist für ein Ende des Einsatzes.

Da die Vorbereitungen im Geheimen abgelaufen seien, seien die Angriffe für die Hamas überraschend gekommen. Ziele waren Benjahu zufolge Waffenarsenale, Ausbildungslager, Regierungsbüros und Kommandozentralen der Hamas.

Hamas-Sprecher Fausi Barhum sprach von einem «offenen Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung». Die Hamas werde auf dieses «Blutbad» antworten und Israel werde einen Preis bezahlen. Barhum forderte den militanten Flügel der Hamas auf, Raketen mit der grössten Reichweite auf Israel abzufeuern.

Nach israelischen Polizeiangaben schlugen darauf mehr als 50 selbst gebaute Geschosse auf israelischem Boden ein. Ein Mann kam dabei ums Leben. Fünf weitere Israelis wurden bei den Angriffen teilweise schwer verletzt.

Kein Einmarsch in Gaza

Der israelische Präsident Schimon Peres schloss einen Einmarsch der Armee im Gazastreifen jedoch aus. «Es wird keinen Krieg geben. Wir werden nicht in Gaza einmarschieren», sagte Peres in einem Interview.

Ein ohnehin brüchiger Waffenstillstand war von der Hamas vor wenigen Tagen nicht verlängert worden. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte die Hamas gewarnt, dass eine Fortsetzung des Beschusses israelischer Städte zu militärischen Gegenmassnahmen führen würde.

Polizei im Visier

In Gaza-Stadt sagte ein Sprecher der Hamas-Polizei, unter anderem sei ein Polizeigelände in Gaza beschossen worden, wo gerade eine Abschlussfeier für Polizeirekruten stattgefunden habe. Er sprach von etwa 40 Opfern. Unter den Toten sei auch Polizeichef Taufik Dschabber, meldete das Radio. Das Hauptquartier der Polizei wurde ebenfalls zerstört.

Am Angriff waren aucg Kampfhelikopter und -flugzeuge beteiligt. Auch die Hafenanlagen von Gaza und Sicherheitseinrichtungen der Hamas wurden schwer beschädigt. (SDA)

Internationale Besorgnis

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte ein sofortiges Ende aller Gewalt im Nahen Osten. Die USA haben Israel zur Zurückhaltung bei ihrem militärischen Vorgehen im Gazastreifen aufgerufen, zugleich aber auch die radikalislamische Hamas-Bewegung scharf kritisiert. Die Schweiz hat am Samstag die Reaktionen der israelischen Streitkräfte auf die Raketenangriffe aus dem Gaza- Streifen als «unverhältnismässig» verurteilt. Sie rief alle Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf.

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