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Welche Rolle spielt Ariel Scharon in Israel?
Scharon war bei insgesamt fünf Waffengängen Israels als Offizier dabei. Im Sechstagekrieg von 1967 und sechs Jahre später im Jom-Kippur-Krieg wurde er strahlender Sieger in entscheidenden Schlachten. Seine Soldaten nannten ihn seither «König von Israel».
Vom Hardliner wurde der Regierungschef zum Taktiker des Friedensprozesses, der die Räumung jüdischer Siedlungen auf palästinensischem Boden anordnete. Für viele Israelis ist Scharon der Einzige, der Sicherheit für ihren Staat und Entspannung im Konflikt mit den Palästinensern gewährleisten kann.
Gibt es einen Nachfolger?
Für 100 Tage hat Scharons Stellvertreter Ehud Olmert (60) die Regierungsführung übernommen. Der enge Weggefährte des bisherigen Ministerpräsidenten hat sich ebenfalls vom harten «Palästinenserfresser» zum Anwalt einer Verständigung im Nahen Osten entwickelt.
Doch bei der bisher für 28. März geplanten Parlamentswahl ist alles offen. Politiker wie Friedensnobelpreisträger Schimon Peres (88) oder der «Falke» Benjamin Netanjahu (56) können das Machtvakuum kaum füllen.
Radikale und gemässigte Araber äusserten sich sehr unterschiedlich. So lobte der Kommentator eines palästinensischen Senders, dass Scharon erstmals einen Teil ihrer Ansprüche anerkannt hatte. Ein «Geschenk Gottes» nannte dagegen die radikale Hamas den Schlaganfall pietätlos. «Die israelischen Streitkräfte sind gewappnet, sollte jemand die Situation ausnutzen», drohte ein Scharon-Berater.
US-Präsident George W. Bush will für den Koma-Patienten beten. Ohne Scharon wird der Nahe Osten nach Ansicht vieler Staatsführer wieder in eine Spirale der Gewalt geraten.
Die Staaten der Europäischen Union sind beunruhigt. «Scharon spielt eine wichtige Rolle bei der Suche nach einem dauerhaften Frieden in der Region», beschwor der österreichische Kanzler Wolfgang Schüssel als EU-Ratspräsident die Rückkehr eines Todkranken, die doch aussichtslos erscheint.
«Das Schweizer Volk teilt die Sorge Israels», zeigte sich Bundespräsident Moritz Leuenberger ebenso besorgt wie viele andere Staatsführer.