Gaza-Blutzoll: Schon mehr als 900 Tote

  • Publiziert: 12.01.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
play Verwandte betrauern den Tod eines palästinensischen Journalisten – einer von bereits über 900 Toten des Konflikts. (Keystone)

GAZA – Israelische Soldaten haben sich heute im Gazastreifen wieder schwere Gefechte mit Kämpfern der Hamas geliefert. Vom Menschenrechts-Rat hagelts Kritik.

Die Kämpfe konzentrierten sich heute auf Gebiete nördlich und östlich von Gaza-Stadt. Einwohner beschrieben die Auseinandersetzung als äusserst heftig. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, dass sie erstmals auch Reservisten eingesetzt hätten.

Die Luftwaffe habe zehn Angriffe gegen Hamas-Kämpfer, Waffenlager, Abschussrampen für Raketen und einen Schmuggler-Tunnel im 14 Kilometer langen Grenzgebiet zu Ägypten geflogen, erklärte ein Sprecher.

Allerdings vermied die Armee eine Ausweitung der Kämpfe auf das Stadtzentrum von Gaza und auf andere Städte in dem dicht besiedelten Küstenstreifen. Diese dritte Phase der Offensive droht besonders verlustreich zu werden und die Bemühungen um einen Waffenstillstand zu erschweren.

Zahl der Toten steigt weiter

Die Zahl der Getöteten seit dem Beginn des Krieges am 27. Dezember bezifferten die palästinensischen Rettungsdienste mit 917, darunter 277 Kinder und 95 Frauen. 4100 Personen seien verletzt worden. Israels Armee erklärte, sie habe bereits 400 Hamas-Kämpfer getötet.

Israel hielt am Vormittag erneut drei Stunden lang eine Feuerpause ein. 165 Lastwagen mit humanitären Hilfsgütern durften in das umkämpfte Gebiet einfahren.

Die israelische Armee warf der Hamas vor, erneut mit Raketenangriffen gegen die Feuerpause verstossen zu haben. Im Verlauf des Tages seien insgesamt mehr als zehn Raketen auf Israel abgefeuert worden, sagte ein Sprecher.

Menschenrechtsrat verurteilt Israel

Der Uno-Menschenrechtsrat verurteilte in Genf anlässlich einer Sondersitzung ausdrücklich die israelische Militäroperation und forderte einen sofortigen Stopp der Kampfhandlungen.

In einer Resolution werden Israel grobe Menschenrechtsverletzungen und die systematische Zerstörung der palästinensischen Infrastruktur vorgeworfen. In dem Text wird zwar auch ein Ende des Raketenbeschusses verlangt, die Angriffe der Hamas werden aber nicht verurteilt.

Gemäss der Resolution soll ausserdem eine unabhängige Mission die von Israel verübten Menschenrechtsverletzungen untersuchen. Die Resolution wurde mit 33 Stimmen bei einer Gegenstimme Kanadas und 13 Enthaltungen angenommen. Die europäischen Staaten, darunter die Schweiz, enthielten sich.

Israel wies die Resolution als unausgewogen zurück. Der israelische Botschafter in der Schweiz, Ilan Elgar, begrüsste gleichzeitig die Haltung der Schweiz. «Ich bin zufrieden, dass die Schweiz wie andere westliche Staaten verstanden hat, dass man einen solchen Text nicht unterstützen kann», sagte Elgar.

Verhandlungen dauern an

Aussenministerin Zipi Livni sagte im israelischen Radio, man werde sich eine Waffenruhe nicht aufzwingen lassen. Israel habe mit seiner Offensive seine Abschreckung wiederhergestellt. Man habe die «Gleichung» gegenüber der Hamas verändert. Die Organisation verstehe nun, dass Israel «wild» reagiere, wenn es angegriffen werde und dies auch in Zukunft tun werde.

Die ägyptische Regierung vermeldete heute gleichzeitig erste Fortschritte bei ihren Gesprächen mit der Hamas über eine Waffenruhe im Gazastreifen. Auch der israelische Gesandte Amos Gilad äusserte sich optimistisch über eine mögliche Einigung. (SDA/hhs)

play Ägypten bemüht sich um einen Waffenstillstand – aber vorerst setzt Israel die Offensive fort. (AP)

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