«Auf euch warten Tod, Verletzung und Gefangenschaft»

  • Publiziert: 04.01.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

GAZA – Israel hat seine Drohung wahr gemacht: Mit Panzer und Infanterie steht die Armee kurz vor Gaza-Stadt. Die Palästinenser-Organisation Hamas sagt, sie sei gut auf einen Guerillakrieg vorbereitet.

Die Bodentruppen der israelischen Armee sind am Sonntag bis kurz vor Gaza-Stadt vorgerückt. Panzer und Infanterie-Einheiten stünden in der früheren jüdischen Siedlung Netzarim, 3 Kilometer südlich von Gaza-Stadt, berichteten Augenzeugen.

Israel war am Samstagabend in den Gazastreifen eingerückt. In den ersten Stunden der Bodenoffensive wurden nach Armeeangaben mindestens 30 radikal-islamische Hamas-Kämpfer getötet. BBC und Al-Dschasira sprachen von vier Toten.

Zudem wurden nach Angaben der israelischen Armee gegen 30 israelische Soldaten verletzt, zwei davon schwer. Die Hamas sprach dagegen von neun getöteten israelischen Soldaten. Über Opfer unter der palästinensischen Zivilbevölkerung im dicht besiedelten Gazastreifen gab es zunächst keine Angaben.

Hamas droht Israelis mit «dunklem Schicksal»

Die Hamas zeigte sich derweil unbeeindruckt von der israelischen Bodenoffensive. Der Chef des Politbüros, Chaled Maschaal, sagte in Damaskus: «Die Widerstandsgruppe und ihre Organisationsstruktur sind ausgezeichnet, und die Verluste sind geringfügig».

Und dann warnte Maschaal die israelische Armee vor Beginn der Offensive: «Ihr Soldaten der Besatzungsmacht müsst begreifen, dass auf euch das dunkle Schicksal von Tod, Verletzung und Gefangennahme wartet».

Seit Tagen listen israelische Militärkommentatoren auf, was alles auf die Soldaten im Gazastreifen zukommt. Nach Erkenntnissen der Geheimdienste hat die Hamas Tunnel gegraben und mit Sprengstoff gefüllt, die sie explodieren lassen will, wenn sich Truppen darüber hinwegbewegen.

Bomben, Landminen, 20000 Kämpfer

Bomben mit grosser Sprengkraft sowie mit Sprengstoff gefüllte Autos sind entlang von Strassen positioniert worden. Die Hamas soll Landminen und Panzerfäuste in grossen Mengen besitzen. Scharfschützen und Selbstmordattentäter warten bereits.

Mehr als 16500 gut ausgebildete Mann hat die Hamas unter Waffen. Das ist keine Miliz mehr, sondern eine Armee. 3000 bis 4000 weitere Soldaten sollen die anderen militanten Palästinensergruppen entsenden.

Es ist in Gaza ein offenes Geheimnis, dass die Hamas-Offiziere im Iran, in Syrien und in Libanon ausgebildet wurden. Seit der gewaltsamen Machtübernahme im Gazastreifen vom Juni 2007 bereitet sich die Hamas gewissenhaft auf den Häuser- und Strassenkampf vor – mit einer Guerilla-Taktik.

Raketen reichen weiter

Warum beginnt die Bodenoffensive jetzt? Mit den Luftschlägen wollte Israel eigentlich die militanten Palästinensergruppen zwingen, den Raketenbeschuss von israelischen Städten aufzugeben. Vergeblich: Seit vergangenem Samstag schlugen mehr als 450 Raketen auf israelischem Boden ein. Vier Israelis wurden getötet und Dutzende weitere verletzt.

Die Reichweite der Hamas-Raketen ist zwischenzeitlich bis auf 40 Kilometer gestiegen. Jetzt sind nach Polizeiangaben rund eine Million von 7,3 Millionen Israelis durch den Raketenbeschuss gefährdet, statt der 125 000 vor Beginn der Militäroffensive.

Seit Beginn der israelischen Militäraktion am Samstag der vergangenen Woche kamen mehr als 460 Palästinenser ums Leben gekommen. Vier Israelis starben infolge palästinensischer Raketen. (SDA/bih)

Auseinandersetzungen auch mit Hisbollah?

Nach Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen rechnet Israel auch an der Grenze zum Libanon mit Auseinandersetzungen. «Wir sind für alle Eventualitäten gewappnet», erklärte Verteidigungsminister Ehud Barak.

Er hoffe aber, dass es an der im Norden Israels gelegenen Grenze zum Libanon ruhig bleibe. Sein Ministerium hatte zuvor tausende Reservisten mobilisiert.

Israel hatte nach der Entführung von zwei seiner Soldaten durch schiitische Hisbollah-Milizen im Sommer 2006 einen Krieg gegen Libanon geführt, bei dem in dem Land mehr als 1200 Menschen starben.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah erklärte nach Beginn der israelischen Bodenoffensive erneut seine Solidarität mit der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen.

Die Hamas und andere «Widerstandskämpfer» würden der israelischen Armee «die grösstmöglichen Verluste» zufügen, sagte Nasrallah. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Hamas und ihre Verbündeten den Kampf gegen die israelische Armee gewinnen werde.

Sondersitzung im UNO-Sicherheitsrat

UNO-Diplomaten berichteten, dass die USA im Weltsicherheitsrat einen Entwurf Libyens für eine Forderung nach sofortiger Waffenruhe im Gazastreifen blockiert haben. Die USA hätten sich geweigert, den Entwurf zu unterstützen.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) traf sich am Samstag zu einer Dringlichkeitssitzung hinter verschlossenen Türen.

Libyen hatte in seinem Textentwurf «grosse Besorgnis über die Eskalation im Gazastreifen insbesondere nach Beginn der israelischen Bodenoffensive» ausgedrückt. Alle Parteien wurden aufgerufen, eine sofortige Waffenruhe zu befolgen.

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