Nahost-Experte Gysling zur «Waffenruhe» in Syrien Was passiert, wenn Assad den Krieg gewinnt?

Ende Woche sollen in Syrien eigentlich die Waffen ruhen – daran glauben mag niemand so richtig. BLICK hat mit dem Nahost-Experten Erich Gysling (79) über die Friedensaussichten sowie die konfuse Rolle Russlands im Syrien-Konflikt gesprochen.

Hält Waffenstillstand derzeit für unmöglich: Syriens Präsident Baschar-al Assad. play

Hält Waffenstillstand derzeit für unmöglich: Syriens Präsident Baschar-al Assad.

Reuters

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Die diplomatischen Bemühungen an der Münchner Sicherheitskonferenz scheinen sich nach und nach in Luft aufzulösen. Einer schnellen Feuerpause im syrischen Bürgerkrieg hat Machthaber Baschar-al Assad schnell eine Absage erteilt.

«Waffenruhen kommen zwischen Armeen und Staaten vor, aber niemals zwischen einem Staat und Terroristen», sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

Syrien-Konferenz einigt sich auf Waffen-Stillstand

Um die Gewalt seiner Truppen zu legitimieren erklärte der Diktator kurzerhand alle, die «Waffen gegen den syrischen Staat und sein Volk erheben», zu Terroristen.

Ruhende Waffen bis Ende Woche? Für Assad ein Ding der Unmöglichkeit: «Wer kann alle diese Bedingungen und Anforderungen in einer Woche zusammenfügen? Niemand.»

Kann es bei diesem erbarmungslosen Kurs der syrischen Führung überhaupt einen Waffenstillstand, geschweige denn Frieden geben? Nahost-Experte Erich Gysling analysiert für BLICK die Chancen auf ein Ende des Blutvergiessens in Syrien.

Herr Gysling, niemand glaubt an eine schnelle Waffenruhe in Syrien. Warum?

Die Chancen stehen tatsächlich nicht sehr gut. Assad ist zurzeit nicht bereit, die Waffen ruhen zu lassen. Er will weiterhin die gesamte Opposition angreifen, nicht nur den IS und die Nusra-Front. Seine Gegner, zu der neben den Terrororganisationen auch Kurden und sogenannte gemässigte, progressive Oppositionelle gehören, halten derzeit rund 70 Prozent Syriens.

Nahost-Experte Erich Gysling (79). play
Nahost-Experte Erich Gysling (79). Keystone

Woran scheitern die Friedensbemühungen?

Friedensgespräche sind so gut wie aussichtslos, solange Assad versucht, seine Herrschaft auszudehnen. Er will sein Territorium mit der Unterstützung Russlands und des Iran konsolidieren. Dazu gehört allen voran die von den Rebellen gehaltene Millionenstadt Aleppo.

Ist Frieden in Syrien zurzeit überhaupt möglich?

Frieden kann es erst geben, wenn die Gesamtsituation in Syrien, die Machtverhältnisse klarer sind. Sollte es Assad gelingen, den Krieg zu gewinnen und sein Territorium zu konsolidieren, wäre er möglicherweise zu Gesprächen bereit. Das ist aber keine angenehme Aussicht, denn sie bedeutet unendlich viele weitere Todesopfer.

Hat der Westen mit seiner Syrien-Politik versagt?

Das Problem ist, dass der Westen im Gegensatz zu Russland keine klare Strategie hat. Zwar ist man sich einig, dass man Machthaber Assad aus dem Weg räumen will, doch einen gemeinsamen Plan gibt es nach wie vor nicht. Zudem wird bei den Friedensverhandlungen viel zu wenig darauf eingegangen, was die syrische Bevölkerung eigentlich will.

Welches Ziel verfolgt Russland im Syrien-Konflikt?

Russland fürchtet eine Zeit nach Assad. Man will den syrischen Diktator an der Macht halten und so verhindern, dass islamistische Gruppierungen an Einfluss gewinnen oder gar die Spitze übernehmen. Dass sich unter den IS-Kämpfern immer mehr Tschetschenen befinden, dürfte Moskau zusehends nervös machen.

Was passiert, wenn Assad den Krieg gewinnt?

Der Konflikt wäre damit natürlich nicht beendet, denn ein Sieg Assads würde die Ausgangssituation wiederherstellen. Das wäre für viele Menschen in Syrien eine Katastrophe. Denn es gilt nach wie vor der Grundsatz: Solange die Sunniten nicht in die politischen Prozesse miteinbezogen werden, wird es in Syrien immer brodeln.

Publiziert am 16.02.2016 | Aktualisiert am 21.02.2016
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Russischer Ministerpräsident Medwedew an der Sicherheitskonferenz in München «Wir befinden uns in einem neuen Kalten Krieg»

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  • silvano  schmid aus chur
    17.02.2016
    Hier wird niemand gewinnen!
    Die Interessen der verschiedenen Mächte sind derart groß,dass es deswegen immer wieder Krieg gibt.
    Das auslöschen dieser Region wird wahrscheinlich das einzig mögliche sein!!!
  • Roland  Buehler , via Facebook 17.02.2016
    wie wir ja jetzt sehen koennen sind die nicht faehig miteinander zureden wiel jeder chef sein will, die koennen nicht einmal ein relative gut funktionierendes CH system ueber nehmen,alle s was wir hier wieder sehen ist die 1000 jahre unwilligkeit zu tolerieren nur im anspr stellen in anderen laendern da sind die stark, wie gesehn in Bern m ex Yugos. stellt den asyl mist ein fertig nicht mehr relevant volks recht in deinem land + menschen recht / anmassen nein
  • Markus  Immer aus Dumagete
    17.02.2016
    Ich bin von E. Gysling schwer enttäuscht. Er sprich wohl Arabisch, das macht ihn aber noch lange nicht zu einem Experten der Politik im mittl. Osten. Es ist nicht Assad der Krieg angefangen hat, sondern das ist ein Plan der von den USA, Saudi-Arabien u. der Türkei bereits 2001 in­ji­zie­rt wurde. Assad wird die Kurden respektieren, die Kurden möchten als autonomer Teil Syriens endlich Frieden finden. Die Sunniten werden von aufwieglerischen Wahabiten immer wieder für Mord u. Totschlag sorgen!
  • Karl-Heinz  Baumberger aus Winterthur
    17.02.2016
    Wann endlich lernen wir, das der sog. arabische Frühling in Syrien gescheitert ist ? Es ist besser Assad bleibt im Sattel und hat das Land unter Kontrolle. Bis jetzt hatten sie ja ein gutes funktionierndes Land mit allem was dazu gehört. Nun, alles wurde niedergebrannt, sowohl von den pro-westlichen milizen, IS und der al Nusra Front. Aber Herr Gysling irrt in verschieden Hinsichten, den ohne Assad, wird der nächste Fall eintreten..... es geht gegen Israel, was wohl niemand wünscht oder will.
  • John  Livers aus St.Gallen
    17.02.2016
    Assad muss den Krieg gewinnen, sonst geht es noch Jahre weiter so. Aber solange die USA die Rebellen unterstützt wird es schwierig bleiben. Sanktioniert endlich die USA für ihre Verbrechen an den Völkern.
    • süleyman  kovanci 17.02.2016
      Ganz genau assad muss den krieg gewinnen ,sodass noch mehr syrer in die schweiz kommen,die schweizer sind fremdenfreundliches land.
    • John  Livers aus St.Gallen
      17.02.2016
      süleyman kovanci
      Und was wenn Assad nicht gewinnt? Sie glauben nicht wirklich dass die zerstrittenen Rebellen jemals eine Regierung stellen könnten. Kurzfristig kann nur Assad und die reguläre Syrische Armee für Ordnung sorgen. Es sei denn man habe von Norden und Westen her Übernahmegelüste und möchte deshalb Assad loswerden.
    • John  Livers aus St.Gallen
      17.02.2016
      süleyman
      Hatten wir denn die Flüchtlinge vor oder erst nach dem Rebellenaufstand?
    • süleyman  kovanci 17.02.2016
      @ livers, wenn assad nicht gewinnt,kehren alle syrer ,die auf der flucht sind wieder in ihre heimat zurück.Sonst muss die türkei anfangen zu verhandlen / überlegen,was mit den syrer im land passiert,dessen zahl auf 3 millionen gestiegen ist, in der zwischenzeit.Also die türkei waere gerne bereit zirka 250000 syrer in die CH zu schicken,den rest den Russen.