Polen unter Schock Nacht der Tränen

  • Publiziert: 11.04.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

WARSCHAU – Ein Land erstarrt in Trauer. Nachdem beim Flugzeugunglück in Smolensk der polnische Präsident und ein grosser Teil der politischen Führung ums Leben gekommen sind, weint ein ganzes Land.

Das Präsidenten-Ehepaar, der Chef der Zentralbank, der Armeechef, der stellvertretende Aussenminster dutzende Abgeordnete – insgesamt 97 Menschen starben beim verhehrenden Flugzeugunglück in dichtem Nebel bei der russischen Stadt Smolensk. Polen ist erstarrt im Schock über den Tod eines grossen Teils der politischen Führung des Landes.

Doch die Trauer beginnt: Zehntausende Menschen weinen in Warschau bis in den frühen Morgen hinein öffentlich um die Verstorbenen. Sie versammeln sich im Zentrum der Hauptstadt und ziehen vor den Präsidentenpalast.

Wer befahl den Landeanflug?

Ein Kerzenmeer und unzählige Blumen säumen den Platz. Viele Menschen singen Kirchenlieder und beten. Die Kirchen haben ihre Türen für Gläubige geöffnet. Der geschäftsführende polnische Präsident Bronislaw Komorowski ordnet eine einwöchige Staatstrauer an.

Alles fragt sich: Wie konnte es nur zu diesem Unglück kommen?

In Russland wird menschliches Versagen als Unglücksursache vermutet. So habe der Pilot der polnischen Regierungsmaschine die Anweisungen der Fluglotsen am Boden ignoriert und bei schlechtem Wetter den Landeanflug trotz Warnungen fortgesetzt. Doch tat er das aus eigenem Antrieb? Oder hat ihm der Armeechef oder der Präsident befohlen, die Landung fortzusetzen?

Polnischer Regierungschef in Tränen

Antworten werden die Untersuchungen der russsichen Behörden geben. Ministerpräsident Putin hat seinem polnischen Amtskollegen Donald Tusk versprochen, persönlich die Ermittlungen zu überwachen. Beide Spitzenpolitiker gedachten noch gestern Abend bei den Trümmern der polnischen Präsidentenmaschine den Todesopfern. Die Spitzenpolitiker sind vollkommen erschüttert: Tusk brach in Tränen aus, Putin nahm in tröstend in die Arme.

An der Unglücksstelle südlich von Smolensk lagen zahlreiche Wrackteile des in den polnischen Farben Rot und Weiss gestrichenen Flugzeugs vom Typ TU-154. Trauernde Angehörige mischten sich unter die Helfer und Ermittler der russischen Behörden.

Absturz nach vier Landeversuchen

Der Pilot der Präsidentenmaschine habe bei nebligem Wetter vier Landeversuche unternommen, sagte der Vizekommandant der russischen Luftwaffe, Sergej Rasygrajew.

Wegen des Nebels soll dem Piloten angeboten worden sein, in der weissrussischen Hauptstadt Minsk zu landen oder nach Warschau umzukehren, berichteten russische Medien. Demnach habe der Pilot eigenmächtig gehandelt. Das Flugzeug stürzte in einen Wald.

Kaczynski war auf dem Weg ins russische Katyn, um der polnischen Opfer des Massakers zu gedenken, das sowjetische Geheimpolizisten 1940 dort an rund 22000 polnischen Offizieren und Intellektuellen verübt hatten.

play Ein weinender Regierungschef: Donald Tusk und sein russischer Amtskollege Putin am Unfallort. (Keystone)

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