Nachbar wusste vom Grauen und tat nichts

  • Publiziert: 02.05.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Lukas Füglister

Also doch. Mindestens einer wusste, das Fritzl seine Tochter Elisabeth vergewaltigt.

Jahre lang hat Josef Leitner geschwiegen. Jetzt plagt ihn plötzlich das schlechte Gewissen. Weil er Alpträume habe, wie er sagt.

Leitner ist in den 80er-Jahren Mieter im Haus von Josef Fritzl. Vier Jahre lang lebt er dort in der Parterre-Wohnung. In dieser Zeit bekommt er mit, was das Inzest-Monster seiner Tocher antut – und macht nichts dagegen.

«Die Elisabeth ist immer wieder von ihrem Vater vergewaltigt worden. Sie hat es zu Hause nicht mehr ausgehalten und ist deshalb abgehauen», sagte Leitner dem Fernsehsender ATV.

Leitner weiss, dass Elisabeth mit ihrer Jugendfreundin aus der Nachbarschaft nach Wien flüchtet. Das ist kurz, bevor sie von ihrem Vater 24 Jahre lang wegsperrt wird.

Heute sagt Leitner: Sowohl er wie auch Elisabeths Freundin hätten sich vor Fritzl gefürchtet – und ihn deshalb nicht angezeigt.

Geräusche aus dem Keller

Dabei bekommt der «feine» Herr Nachbar noch viel mehr mit. Immer wieder hört er in seiner Parterre-Wochnung seltsame Geräusche aus dem Keller. Wie ein Klopfen habe es getönt, oder herunterfallende Gegenstände. Leitner spricht Fritzl darauf an – und lässt sich mit der Begründung abspeisen, das sei bloss die Gasheizung.

Ausserdem liegen sich die beiden wegen der Stromrechnung in den Haaren. Obwohl Leitner manchmal mehrere Wochen abwesend ist, muss er 400 Euro pro Quartal zahlen. Auch ein Elektrofachmann kann die Ursache des hohen Stromverbrauchs nicht feststellen. Liess Fritzl seinen Mieter den Strom für das Verlies bezahlen?

«Wenn ich weiter gebohrt und nicht locker gelassen hätte, bis das Rätsel mit dem hohen Stromverbrauch komplett aufgeklärt ist, dann wäre man vielleicht schon viel früher auf das Versteck gekommen», kommt Leitner heute ins Sinnieren. Fritzl wirft ihn schliesslich raus – ihm passt der Hund seines Mieters nicht.

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Er wollte kein Hörgerät tragen Marvel kreiert Superhelden für...bullet

Ausland