Nach Suizid in der Zelle Al-Bakrs Familie kündigt Strafanzeige gegen Justiz an

Der Terror-Verdächtige Jaber al-Bakr (†22) hat sich im Gefängnis erhängt. Nun werden sich die Behörden wegen fahrlässiger Tötung verantworten müssen.

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Die Familie des toten Terrorverdächtigen Jaber al-Bakr will eine Strafanzeige gegen Beamte der sächsischen Justiz wegen fahrlässiger Tötung erstatten. Alexander Hübner, der Leipziger Anwalt der Familie, sagte der «Süddeutschen Zeitung«, den Sendern NDR und WDR, es müsse geprüft werden, ob die Behörden fahrlässig handelten, als sie Al-Bakr in einem gewöhnlichen Haftraum allein liessen.

Der syrische Flüchtling war bei einem Polizeieinsatz in Chemnitz am 8. Oktober knapp dem Zugriff der Beamten entkommen. In einer von ihm genutzten Wohnung wurden eineinhalb Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs gefunden.

Mehrere Syrer, bei denen Al-Bakr dann in Leipzig um einen Übernachtungsplatz bat, überwältigten und fesselten den 22-Jährigen. Am Mittwoch vergangener Woche erhängte sich Al-Bakr, der mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Verbindung gestanden haben soll, im Gefängnis (Justizvollzugsanstalt) von Leipzig.

Bruder sieht Polizei als Mörder - wie in Syrien

Der in Syrien lebende Bruder des Toten, Alaa al-Bakr, zweifelte seither an, dass es sich überhaupt um einen Suizid gehandelt habe. «Selbst wenn er IS-Mitglied war: Die begehen keinen Selbstmord», hatte er der Zeitung «Die Welt» gesagt. Das sei im Islam verboten. «Ich bin mir wirklich sicher, dass die Polizei ihn umgebracht hat.«

Eine Fremdeinwirkung war bei der Obduktion des Leichnams nicht festgestellt worden. Hübner distanzierte sich gegenüber «SZ», NDR und WDR von den Vorwürfen von Al-Bakrs Bruder. Die Umstände des Suizids müssten aber geprüft werden.

Al-Bakr soll an Steckdosen manipuliert und eine Lampe zerstört haben. Dennoch wollen die Verantwortlichen im Gefängnis in Leipzig keine Suizidgefahr erkannt haben und liessen die Zelle nur alle 30 Minuten kontrollieren.

Die Leipziger Oberstaatsanwältin Claudia Laube führt bereits routinemässig ein Ermittlungsverfahren zur Todesursache. Dem Bericht zufolge könnte sich die Familie Al-Bakrs als Nebenklägerin in dieses Verfahren einschalten.

Pannenserie in Sachsen

Wegen der Pannen bei der Festnahme und des Suizids stehen die Behörden in Sachsen in der Kritik. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins «Spiegel» unterlief der sächsischen Polizei im Fall Al-Bakr ein weiterer Fehler.

Der Islamist soll demnach bereits Ende August in einem Leipziger Apartmenthotel mit Chemikalien zur Sprengstoffherstellung experimentiert haben. Dabei habe er die Küche der Wohnung schwer beschädigt. Fotos von den Schäden zeigten Russspuren, braune Flecken wie von Flammen an der Abzugshaube und Spuren am Spülbecken wie von Säureschäden.

Der Besitzer des Hotels habe nach Al-Bakrs Verschwinden Anzeige erstattet, berichtet der «Spiegel". Allerdings habe die Polizei den Vorfall als Sachbeschädigung gewertet, ohne die Brisanz der Spuren zu erkennen. Schäden in Höhe von gut 6000 Euro seien entstanden.

Publiziert am 21.10.2016 | Aktualisiert am 02.12.2016
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19 Kommentare
  • Sarah  Keller 22.10.2016
    Der Bruder aus Syrien hat den Nerv zu behaupten «Selbst wenn er IS-Mitglied war: Die begehen keinen Selbstmord»! Wie krank ist das denn? Was ist denn mit all den Sprengstoff-Attentätern - kein Selbstmord, sondern eine gute Tat? Erniedrigend und ein beschämendes Zeichen für unsere "Zivilisation", dass wir solche Diskurse mit Terroristen und ihren Familien überhaupt führen und zulassen, dass sie uns beschuldigen, derweil in ihren Ländern niemals auch nur der Schatten eines Rechtsstaats existierte!
  • Annemarie   Setz 22.10.2016
    Was erlauben sich eigentlich diese Eltern eines potentiellen Mehrfachmörder. Er hat Sprengstoff gehortet, stand mit IS-Anhängern in Verbindung, hat sich wohl deshalb umgebracht, damit man niemandem auf die Schliche kommt. Da hat ein Verteidiger etwas weniger Geld und der Staat weniger Ausgaben für einen sogenannten Flüchtling, der leider den echten Flüchtlingen nur schadete.
  • Paul  Egli 22.10.2016
    Europa täte gut daran, mit Ländern wie Russland, Türkei, Uganda oder ählichen Goodie- Staaten bezüglich Gefängniswesen, Abkommen über Inhaftierung solcher Typen abzuschliessen. Erstens käme die Inhaftierung auf einen Bruchteil der Kosten unserer Gefängnisse, 2. wären unsere Gefängnisse weniger überlastet und 3. könnten sich dann die Angehörigen dieser scheinbar geschädigten Häftlinge direkt bei den Putins und Erdogans oder Leuten des Typs Idi Amin Dada beschweren. Also eine win-win Situation!
  • Mark  Bachmann , via Facebook 22.10.2016
    Irgendwie muss der arme Pflichtverteidiger ja sein Geld wieder reinbekommen. Er hatte sich auf einen langen Prozess eingestellt mit vielen Stunden, die er dem Staat hätte in Rechnung stellen können. Moral und gesunder Menschenverstand sind passé. Und die Anwaltskosten, welche der Staat trägt, explodieren!
  • Manfred  Jordi-Suarez , via Facebook 22.10.2016
    Ja Hauptsache noch schnell etwas Geld abgreifen vom bösen Westen! Wenn im Islam Selbstmord wie oben beschrieben verboten ist, warum gibt es dann islamistische Selbstmordattentäter?