«Nach einer Minute war unser Boot gesunken»

  • Publiziert: 11.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Matej Mikusik

Der Schweizer Tauchlehrer Daniel Brunner erlebte das Boots-Drama vor Thailand hautnah mit. Im BLICK erzählt er, wie schnell alles ging.

Sonntagabend, 18.30 Uhr. Die «MV Dive Asia 1» verlässt das Tauchparadies rund um die thailändischen Similan-Inseln. Kurs Phuket. Die See ist ruhig. Auf Deck des luxuriösen Tauchschiffs wird Dinner serviert. Getrunken wird wenig. Höchstens ein Bierchen. Meist nur Softdrinks.

Die 30 Personen an Bord amüsieren sich, erzählen von Tauch-Abenteuern. Darunter die Schweizer Reto V*., Nicole A*., Rolf N*. und Sybille B*. Während des Tauchtrips hat sie ihr Freund Daniel Brunner betreut. Er arbeitet als Tourleiter für Dive Asia. Lebt seit zehn Jahren in Thailand.

Brunner und seine Schweizer Freunde tauchen schon lange zusammen. Auch in Schweizer Seen.

Gegen 21.30 Uhr gehen Reto und Nicole in ihre Kabine. Sie sind müde. Daniel, Rolf und Sybille bleiben. Um 22.15 Uhr gehen auch sie unter Deck. Die See ist ruhig. «Ungefähr um Viertel vor elf begann das Schiff zu schaukeln, das Meer wurde sehr unruhig», sagt Daniel Brunner zu BLICK.

Er geht aufs Deck. Der Wind peitscht, hat fast Orkanstärke. Es donnert. Das Wasser fliegt. Brunner geht runter. Wellen schlagen gegen die Schiffswand.

«Nach einem dumpfen Schlag kippte das Schiff auf Steuerbord. Ich fiel in der Kabine hin, wartete, bis sich das Schiff aufrichtet.» Vergebens. Instinktiv hangelt er sich zum Kabinenfenster, öffnet es und zwängt sich raus. Dunkle Nacht.

Das Schiff hat stark Schlagseite, liegt fast zur Hälfte im Wasser. Daniel und weitere Personen stehen auf der äusseren Schiffswand. Der Schweizer macht eine der zwei Rettungsinseln bereit. Brunner: «Ich war mit der Rettungsinsel beschäftigt. Plötzlich war das Schiff weg. Nach einer Minute war unser Boot gesunken!»

Neun weitere Personen schaffen es in die Rettungsinsel. Die verfügt über ein Blinklicht und Leuchtpistolen. «Ich habe das Meer abgesucht.» Zwischen den Wellen sieht Brunner ein Blinken. «Wir paddelten mit blossen Händen hin.» Es sind Nicole und Reto mit Schwimmringen – drei weitere Überlebende an sie angebunden.

Sie ziehen sie rein. Halten weiter Ausschau. Fünf Minuten sind seit dem Untergang der «MV Dive Asia 1» vergangen. Die Wellen noch zwei Meter hoch. «500 Meter entfernt war ein weiteres Blinken.» Die zweite Rettungsboje. Einer der Tauchguides springt ins Wasser, schwimmt Richtung Boje. 30 Minuten später sind die Rettungsinseln miteinander vertäut.

«45 Minuten nach dem Untergang hat sich die See beruhigt. Es war unheimlich», sagt Brunner. Sie treiben, warten auf Rettung. Im Morgengrauen sehen sie zwei Segelboote. Sie feuern Leuchtraketen ab. Keine Reaktion. «Sie schliefen wohl und hatten den Autopiloten drin.»

Fischer retten Brunner und 22 weitere Personen am Montag, 10 Uhr Lokalzeit. An Land lässt er sich von der Polizei auf der Liste der Überlebenden registrieren. Sybille und Rolf sind nicht drauf. Bis heute nicht.

*Namen der Redaktion bekannt

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