Nach der Silvesternacht: Hooligans greifen Ausländer in Köln an

KÖLN - Eineinhalb Wochen nach den Attacken auf Frauen in Köln haben rechte Schläger gestern willkürlich männliche Ausländer verprügelt.

Polizei in Köln verstärkt nach Drohungen Präsenz - trotzdem wurden mehrere Ausländer bei Angriffen verletzt. (Archiv) play
Polizei in Köln verstärkt nach Drohungen Präsenz - trotzdem wurden mehrere Ausländer bei Angriffen verletzt. (Archiv) KEYSTONE/EPA DPA/MAJA HITIJ

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Die Polizei sprach heute von «fremdenfeindlichen Straftaten». Die deutsche Regierung reagierte empört und warnte vor ausländerfeindlicher Hetze.

Nach Angaben der Kölner Polizei vom Montag gab es vier willkürliche Angriffe durch Schläger auf Ausländer. Vermutet wird, dass die Taten auf das Konto von Angehörigen der Hooligan-Szene gehen, die sich über soziale Medien verabredet hatten.

Die Attacken ereigneten sich am frühen Abend innerhalb von etwa 45 Minuten im Innenstadtbereich und im Hauptbahnhof von Köln. Davon betroffen waren sechs Pakistaner, zwei Syrer, drei Menschen aus Guinea und ein weiterer Afrikaner nicht bekannter Herkunft.

Wie die Polizeibeamten mitteilten, wurden die Opfer von den Angreifern teils verfolgt, geschlagen und getreten. Zwei Männer kamen zur ambulanten Behandlung in eine Klinik. Für die Überfälle auf die Pakistaner sowie den Afrikaner waren 25 Personen verantwortlich gewesen. Ein Syrer wurde demnach von acht Tätern attackiert.

Es sei davon auszugehen, dass diese Taten mit den für den Sonntag angekündigten sogenannten Spaziergängen zusammenhingen, zu denen sich Angehörige der Kölner Hooligan-Szene in den Tagen zuvor über das Internet und soziale Netzwerke verabredet hätten, sagte Norbert Wagner, Leiter der Direktion Kriminalität der Kölner Polizei heute. Die Polizei hatte Hinweise auf die Absprachen bekommen.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit zahlreichen Beamten in der Kölner Innenstadt im Einsatz, um die Sicherheit auf den Strassen zu gewährleisten. Im Zuge ihres Einsatzes überprüfte sie 153 Menschen und nahm vier in Gewahrsam.

Darunter befanden sich Wagner zufolge 13, über die polizeiliche Erkenntnisse vorliegen, die sie mit rechtsextremen Straftaten in Verbindung bringen. 18 Menschen gehören demnach dem Rocker-Milieu oder der Türsteher-Szene an.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas erklärte, es gebe «keine Rechtfertigung» für derartige Übergriffe. Wer jetzt «Hetzjagden gegen Flüchtlinge» veranstalte, scheine auf die Taten von Köln nur gewartet zu haben, sagte der SPD-Politiker mit Blick auf die Silvester-Vorfälle.

Auch die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini warnte davor, die Vorfälle in der politischen Debatte über Flüchtlinge zu instrumentalisieren. Mogherini hob hervor, dass die Ereignisse von Köln «sehr ernst» und «sehr schockierend» seien. Gesetze und vor allem die Gesetze zum Schutz von Frauen und Menschenrechten müssten von allen respektiert werden.

An Silvester war es in Köln rund um den Hauptbahnhof aus einer grossen Menschengruppe heraus zu sexuellen Übergriffen auf Frauen und zu anderen Straftaten wie etwa Raub- und Diebstahlsdelikte gekommen. Es wurden bisher mehrere Dutzend Tatverdächtige mehrheitlich aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum identifiziert; einige von ihnen sind Asylbewerber und Flüchtlinge.

Die Vorfälle heizen die politische Stimmung schon seit Tagen an. Die ausländer- und islamfeindliche Pegida-Bewegung demonstrierte am Samstag in Köln, dabei attackierten Demonstranten auch Polizisten.

Der Chef des Zentralrats der Muslime berichtete von einer «neuen Dimension des Hasses». Der Verband habe wegen Drohanrufen seine Telefonanlage abstellen müssen, sagte Aiman Mazyek dem «Kölner Stadtanzeiger».

Im nordrhein-westfälischen Landtag verlangte die Opposition aus Christdemokraten und Liberalen unterdessen Aufklärung von Innenminister Ralf Jäger von der SPD über den vielfach kritisierten Einsatz der Kölner Polizei in der Silvesternacht. Seit den Vorfällen am Hauptbahnhof gab es bislang mehr als 500 Anzeigen.

«Das Bild, das die Kölner Polizei in der Silvesternacht abgegeben hat, ist nicht akzeptabel», sagte wiederum Jäger. Sein Ministerium treffe keine Schuld. (SDA)

Publiziert am 11.01.2016 | Aktualisiert am 11.01.2016
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