Mysteriöses Flugblatt lockte Idomeni-Flüchtlinge auf Todesmarsch: Rätsel um «Kommando Norbert Blüm»

IDOMENI (GR) - Gestern brachen Tausende Flüchtlinge in Idomeni ihre Zelte ab. Sie versuchten über einen reissenden Fluss nach Mazedonien zu kommen. Ein Flugblatt, motivierte sie zu ihrem fatalen Marsch.

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March 13 2016 Idomeni Greece Former German Minister for Social Affairs Norbert Bluem in the re play
Norbert Blüm (80) in seinem Zelt in Idomeni. imago stock&people

Es waren dramatische Szenen gestern im Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Hunderte, tausende Menschen, seit Tagen im verschlammten Lager blockiert, von Krankheiten gequält, machten sich zu ihrem «Marsch der Hoffnung» auf. 

Der Grund für die gestrige Aufbruchstimmung der Flüchtlinge ist ein mysteriöses Flugblatt, das den Migranten einen Weg nach Mazedonien wies. Gemäss dem Plan auf dem Zettel sollte fünf Kilometer von Idomeni entfernt eine Lücke im Grenzzaun sein.

«BILD» hat ein Bild des Flugblatts veröffentlicht. Auf diesem ist ein Weg zu einem offenen Grenzübergang eingezeichnet. Der führte die Flüchtlinge zum Grenzfluss Suva Reka, der auf der Karte als «trocken» beschrieben ist.

Ein tödlicher Irrtum: Der Fluss wies wegen der vielen Regenfälle eine reissende Strömung auf.

Tote bei Flussüberquerung

GRIECHENLAND FLUECHTLINGE NORBERT BLUEM play
Norbert Blüm in Idomeni. KEY

Bereits am frühen Montagmorgen wurden von der Polizei zwei männliche und eine weibliche Leiche aus dem Fluss geborgen. Bilder zeigen, wie sich die Migranten versuchen an einem Seil den Fluss zu überqueren.

Das mysteriöse Flugblatt war auf Arabisch verfasst. Unterzeichnet ist es unten rechts mit «Kommando Norbert Blüm». Blüm (80), ein ehemaliger CDU Politiker, hatte letztes Wochenende als sogenannte Protestaktion im Camp für eine Nacht übernachtet, um seine Solidarität zu beweisen.

  play
Das Flugblatt machte unter den Flüchtlingen die Runde und soll eine angebliche Route nach Mazedonien zeigen. Der Fluchtplan aus dem Camp ist unterzeichnet mit «Kommando Norbert Blüm». Screenshot NTV

Das Flugblatt wurde nicht nur im Lager umhergereicht, sondern machte auch auf den sozialen Medien die Runde. Darin steht:

  1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist geschlossen und wird geschlossen bleiben.
  2. Es wird keine Busse oder Züge geben, die euch nach Deutschland bringen werden.
  3. Wahrscheinlich werden die, die in Griechenland blieben, zurück in die Türkei gebracht.
  4. Wer den illegalen Weg über Ost-Europa weiter gehen kann, wird die Möglichkeit haben zu bleiben. Deutschland nimmt noch immer Flüchtlinge auf.
  5. Wahrscheinlich wird das Camp in Idomeni in den nächsten Tagen geräumt. Und es ist wahrscheinlich, dass ihr gezwungen werdet, in die anderen griechischen Flüchtlingslager zu gehen. Von dort werdet ihr dann zurück in die Türkei gebracht werden.

Als Lösung für die oben aufgeführten Punkte schlägt der Verfasser selbst gleich folgendes vor:

  1. Die Zäune sind nur dafür da, damit ihr denkt, die Grenzen seien geschlossen. Nur fünf Kilometer von hier endet der Zaun. Dort gibt es keinen Zaun, der davon abhält nach Mazedonien zu kommen. Dort kann man die Grenze überqueren!
  2. Wenn ihr euch nur in kleinen Gruppen auf den Weg macht, werden die Grenzkontrollen oder das Militär dazu in der Lage sein euch zu stoppen. Sie werden euch zurück nach Griechenland bringen.
  3. Wenn Tausende zusammen losmarschieren, dann wird die Polizei es nicht schaffen euch zu stoppen oder zurückzubringen.

Unser Plan ist es, uns am Montag um 12:00 Uhr am Camp-Ausgang zu treffen und dann gemeinsam die Grenze zu überqueren. Bitte schaut euch die Karte an. darauf markiert sind der Weg und der Treffpunkt.  Bitte erzählt allen euren Freunden und Verwandten von der Aktion.  Bitte versteckt dieses Flugblatt. Weder Polizei noch Journalisten sollten es sehen.  Viel Glück! (Übersetzung: BILD)

Wer hinter dem Pseudonym «Kommando Norbert Blüm» steckt, ist unklar. Die mazedonischen Sicherheitsbehörden prüfen nun, ob das Flugblatt von Deutschen verfasst wurde. Blüm meldete sich inzwischen selbst zu dem Vorfall und lässt verlauten: «Ich habe Verständnis für die Verzweiflungstat, die ich jedoch nicht initiiert habe.»

600 Flüchtlinge mit LKW zurückgebracht

Wie die griechischen Behörden mitteilten, wurden mittlerweile 600 Flüchtlinge wieder von Mazedonien nach Griechenland zurückgebracht, nachdem diese die Grenze erfolgreich passiert hatten. Die meisten der Flüchtlinge seien noch am Montag oder in der Nacht zum Dienstag mit Lastwagen zurück nach Griechenland gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

Die Flüchtlingen seien auf mazedonischem Gebiet von der Polizei oder von Soldaten aufgegriffen worden. Der Balkanstaat hatte bereits angekündigt, die Menschen würden nach Griechenland zurückgebracht.

Die griechische Regierung bezeichnete die Flüchtlingswanderung von Idomeni über die grüne Grenze nach Mazedonien wegen den kursierenden Flugblättern als organisierte Aktion. Man sei im Besitz von Flugblättern, die dies belegten, sagte ein Regierungssprecher. (lz)

Publiziert am 15.03.2016 | Aktualisiert am 27.03.2016
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3 Kommentare
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    15.03.2016
    und Frau Merkel wird verzweifelt sagen. die Besen die ich rief, werd ich nimmer los.......
  • Felix  Kübler aus Schlieren
    15.03.2016
    die Schweiz ist schuld ...
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    15.03.2016
    Mit 80zig sollte man weiser sein und wenn schon, denn einen Monat dort uebernachten aber eine Nacht genuegte wohl um das Flugblatt zu gestalten. Und weshalb bauen die nicht eine Art Pontonbruecke? Holz haette es ja am Wasserlauf entlang.