Terrorist Abdulmutallab Musterschüler aus gutem Hause

LONDON – Der terrorverdächtige Nigerianer, der am Freitag eine Maschine der Delta-Nothwest sprengen wollte, wird als «nett und einfühlsam» beschrieben. Doch sein Vater warnte die Behörden vor dem eigenen Sohn.

  • Publiziert: 27.12.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play Umar Faruk Abdulmutallab. (Reuters)

Umar Faruk Abdulmutallab hatte am Freitag – drei Tage nach seinem 23. Geburtstag – beim Landeanflug auf die US-Metropole Detroit versucht, einen Airbus mit 289 Menschen an Bord in die Luft zu sprengen. Durch das beherzte Eingreifen von Passagieren verhinderte ein Inferno.

Sein Wissen über den Umgang mit einem Sprengsatz dürfte sich der Angeklagte dabei beim Maschinenbau-Studium am renommierten University College in London angeeignet haben. Hier lebte er in einem luxuriösen Haus der Familie in einem noblen Diplomatenviertel nahe Oxford Circus, in der Nähe der Botschaften von China und Polen.

Ein Cousin sagte dem «Sunday Telegraph», die Familie habe befürchtet, dass sein Glaube in Grossbritannien «radikalisiert» wurde. Die Londoner Ermittler werten derzeit seine Kontakte ins islamistische Umfeld aus.

Der Flugzeugbomber verfügte über ein gültiges US-Visum, das die Londoner US-Botschaft am 16. Juni 2008 ausgestellt hatte. Die mehrfache Ein- und Ausreise war damit bis 12. Juni 2010 möglich. Die Briten verweigerten ihm im Frühjahr die Einreise und ein neues Visum wegen Sicherheitsbedenken.

Vater warnte Behörden

Abdulmutallab stammt aus privilegiertem Haus. In seinem Heimatland Nigeria ist sein Vater Alhadschi Umaru Mutallab eine angesehene Persönlichkeit; er war nigerianischer Wirtschaftsminister und Vorstandschef der First Bank of Nigeria.
Der 70-Jährige warnte die Behörden vor einem halben Jahr vor der möglichen Gefahr durch seinen Sohn, nachdem er zu radikalen, gewaltbereiten Strömungen des Islam übergetreten war. Doch noch nicht einmal der Vater weiss, wo sein Sohn den 23. Geburtstag feierte.

Der junge Mann hatte sich laut nigerianischen Berichten von der Familie distanziert und im November 2008 London verlassen. Es habe Streit über seine «extremen religiösen Ansichten» gegeben. Der Vater sei über den Fundamentalismus seines Sohnes sehr besorgt gewesen.

Abdulmutallab sei auf Reisen gewesen, sagte Mutallab. Die genaue Reiseroute kenne er aber nicht. Die Familie prüfe, ob der 23-Jährige zuletzt im Jemen war. Von dort stammt seine Mutter.

Angehörige besorgt


«Wir kennen Faruks extreme Ansichten und waren immer sehr besorgt, wohin ihn das führen könnte», sagte ein Familienmitglied, das nicht genannt werden wollte. Ein weiteres Familienmitglied äusserte die Sorge, dass der 23-Jährige der islamischen Sekte Boko Haram beigetreten ist. Sie hatte Nigeria im vergangenen August den Dschihad erklärt.

Der Mann ging an der British International School in der togolesischen Hauptstadt Lomé zur Schule. Der junge Mann sei ein «Musterschüler», der sich «gelegentlich dumme Ideen in den Kopf setzte», sagte der frühere Geschichtslehrer Michael Rimmer im BBC-Radio. (gux/SDA)

Verbindung zu Al-Kaida unbestätigt

Abdulmutallab hatte im nigerianischen Lagos einen KLM-Flug nach Amsterdam bestiegen, wo er auf die Maschine nach Detroit umstieg. Den Ermittlern sagte er, er sei in einem Trainingslager der Al-Kaida im Jemen ausgebildet worden.
Dort habe er auch den Sprengstoff erhalten sowie genaue Anweisungen, wie und wann er ihn einsetzen sollte. Unklar war allerdings, wann er sich im Jemen aufgehalten haben soll. US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano warnte vor Spekulationen über etwaige Verbindungen des Mannes zur Al-Kaida. Die Ermittlungen seien noch in vollem Gange und es sei «unangebracht», über derartige Verbindungen zu spekulieren, sagte Napolitano.

Top 3

1 Teufelskerl! Mann springt aus 731 Metern Höhe – ohne Fallschirmbullet
2 Auf Sardinien Schweizer (46) stürzt in den Todbullet
3 Er wollte kein Hörgerät tragen Marvel kreiert Superhelden für...bullet

Ausland