KOPENHAGEN – Der Streit über Karikaturen des Propheten Mohammed zieht immer weitere Kreise. Heute druckten auch drei Tageszeitungen in Deutschland und Frankreich die Zeichnungen nach, die Ende September in der dänischen «Jyllands-Posten» erschienen waren. Jetzt gibt es von Muslimen bereits Boykotte und Drohungen gegen Dänemark.Die «Welt» veröffentlichte eine der Karikaturen auf ihrer Titelseite. Auch die «Berliner Zeitung» druckte zwei der insgesamt zwölf Karikaturen ab. Einerseits kritisierte der Deutsche Journalistenverband (DJV) den Nachdruck: «Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, sind mit der Verantwortung der
Presse nicht zu vereinbaren.» Anderseits verurteilte Bundesvorsitzender Michael Konken Mordaufrufe von Islamisten gegen dänische Journalisten wegen umstrittener Mohammed-Karikaturen scharf: Die freie Meinungsäusserung sei ein Grundwert der Demokratie. Auf der Titelseite der französischen Zeitung «France-Soir» hiess es: «Ja, wir haben das
Recht, Gott zu karikieren.» Begleitet wurde dies von einer weiteren Karikatur, die die buddhistischen, jüdischen, muslimischen und christlichen Götter auf einer Wolke zeigt. Im Innenteil des Blattes werden dann die dänischen Karikaturen gezeigt. «Das Erscheinen der zwölf Zeichnungen in der dänischen Presse hat in der muslimischen Welt Emotionen ausgelöst, weil dort die Darstellung Allahs und seines Propheten verboten ist. Aber kein religiöses Dogma kann einer demokratischen und säkularen Gesellschaft auferlegt werden, France-Soir druckt deshalb die kritisierten Karikaturen», schrieb das Blatt.«Jyllands-Posten» hatte sich am Montag auf ihrer Web-Site bei den Muslimen entschuldigt (Blick Online berichtete). Chefredakteur Carsten Juste erklärte, die Zeichnungen hätten nicht gegen dänische Gesetze verstossen, aber unzweifelhaft viele Muslime beleidigt. Er sagte auch: Die Proteste gegen die Karikaturen seien zu einem Sieg über die freie Meinungsäusserung geworden.Bereits gibt es konkrete Vergeltungsmassnahmen von Muslimen: Vor der dänischen Botschaft in
Ankara protestierten mehrere Dutzend Mitglieder der islamischen
Partei Glückseligkeit gegen die Veröffentlichung der Zeichnungen in Dänemark. Eine so «geschmacklose Beleidigung» könne nicht mit einer einfachen Entschuldigung wieder gut gemacht werden, erklärte ein Sprecher der Partei, Yayha Incetahtaci, und rief die
Bevölkerung zum Boykott dänischer Produkte auf. Die islamische Glaubensgemeinschaft in Dänemark akzeptierte die Entschuldigung nicht und wies sie als unzureichend zurück. Die Büros der «Jyllands-Posten» in
Kopenhagen und im Westen Dänemarks mussten heute Abend geräumt werden, nachdem ein Anrufer vor Bomben gewarnt hatte. Im Internet riefen irakische Aufständische ihre Anhänger zu Anschlägen in Dänemark und Norwegen auf.