MAILAND - Jugendliche schikanierten einen Behinderten vor laufender Handykamera und veröffentlichten den Film bei Google Video. Nun stehen vier Google-Manager vor Gericht. Ihnen drohen Haftstrafen bis zu einem Jahr.
Zwei Monate lang war das Schock-Video auf
Google Video zu sehen. Jugendliche pöbeln einen behinderten Jugendlichen an, schikanieren und schlagen ihn. «Das ist eine Schande! Das Video muss gelöscht werden, sofort!» kommentiert ein User das Video.Obwohl User das Video als anstössig meldeten, sah Google anscheinend keinen Grund, das umstrittene Video von seiner Plattform zu entfernen. Erst als sich die italienische Vereinigung «Vivi Down», welche die Rechte von Menschen mit Down-Syndrom vertritt, bei Google reklamierte, wurde das Video gelöscht.119 Seiten Beweisdokumente gegen GoogleWarum hat Google das Video nicht sofort entfernt? Das fragt sich nun auch die Mailänder Staatsanwaltschaft. 119 Seiten umfassen die Dokumente, welche beweisen sollen, dass Google sehr wohl über den Inhalt des Videos Bescheid wusste, aber nichts unternahm.Laut der «New York Times» stehen David Drummond (Senior Vize Präsident und Chefjustizar), George Reyes (früherer Finanzchef) und Peter Fleischer (Konzernverantwortlicher für den Datenschutz) vor Gericht. Ein weiterer angeklagter Manager werde nicht namentlich genannt.Google lehnt die Anschuldigungen ab. «Wir haben wiederholt unsere Betroffenheit gegenüber dem Opfer und seiner Familie betont», hiess es in einer Erklärung des Internet-Konzerns. «Wir sind erfreut darüber, dass die Täter durch unsere Kooperation erkannt und bestraft werden konnten. Wir meinen daher, dass diese Anklage vollständig falsch ist. Es entspräche der gleichen Logik, einen Postzusteller wegen der Verbreitung von Hassreden zu bestrafen.»Die Angeklagten erschienen nicht persönlich vor Gericht. Die Staatsanwälte fordern Haftstrafen zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Ein Urteil wird am 23. Dezember erwartet. (rgj)