«Minarette stören den Blick auf die Alpen»

  • Publiziert: 18.07.2008, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Thomi De Rocchi

Sie können zwar nicht darüber abstimmen, dennoch stösst die Minarett-Initiative in den USA auf grosses Interesse. Vor allem in den Leser-Foren – und da nimmt keiner ein Blatt vor den Mund.

Man kann von Ulrich Schlüer und seiner Minarett-Initiative halten was man will, eines lässt sich nicht unter den Tisch kehren: Die Angst vor einer Ausbreitung des Islams bewegt heutzutage viele Menschen. Nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa. Deswegen wird immer mehr auch gegen den Bau von Minaretten und Moscheen gekämpft.

Vor einem Monat kündigte etwa der italienische Innenminister an, eine grosse Moschee in Mailand schliessen zu wollen, weil die Gläubigen nach dem Freitagsgebet «die Strassen verstopfen und die Anwohner irritieren würden». Und das österreichische Bundesland Kärnten hat im Februar seine Bauverordnung auf eine Art und Weise abgeändert, dass der Bau von Minaretten künftig verhindert werden kann. Mit der Begründung, dass die «Harmonie eines Ortsbildes» gestört würde.

«Die Europäer fühlen sich bedroht», sagt Danièle Joly, die Leiterin des Zentrumsfür Ethnische Beziehungen Ethnic Relations der Universität im britischen Warwick gegenüber der Zeitung «USA Today». «Teilweise herrscht eine regelrechte Islamophobie, insbesondere seit den Anschlägen vom 11. September 2001».

Martialische Töne in US-Foren
Das Thema stösst aber auch ausserhalb von Europa auf Interesse. Vor allem in den USA werden martialische Töne angeschlagen. In den Leser-Foren der grossen Zeitungen, welche über das Thema berichten, wird die freie Meinungsäusserung offensichtlich höher gewichtet als das Recht auf freie Religionsausübung. Und weit freier interpretiert, als es Schweizer Gesetze zulassen würden.

«Gut, dass endlich jemand aufsteht, und sich gegen diese militanten Tyrannen erhebt», schriebt Peter im Forum von «USA Today». «Der Islam ist die Pest der heutigen Gesellschaft, der Rest von Europa und die USA sollten dem Schweizer Beispiel folgen», fordert ein Pilgrim 44. Und ein gewisser PaulNJ glaubt zu wissen, dass Muslime bald ihre eigenen Gesetze fordern werden, wie das in Frankreich, Grossbritannien oder Indien bereits der Fall sei. Einige Kommentare gehen noch viel weiter.

Seitenhiebe gegen Schweizer
Die Amerikaner als ein Volk von Moslem-Hassern abzutun ist jedoch genauso falsch. «Wenn der Islam doch so intolerant ist, wie kommt es dann, das in Ägypten seit 2000 Jahren 10 Prozent Christen Leben», fragt sich ein Leser, und setzt gleich noch einen drauf: «Und warum waren die Christen im Irak unter Saddam Hussein sicherer als jetzt unter George W. Bush?»

Neben aller Polemik finden sich in den Foren aber auch ein paar humoristisch gefärbte Beiträge zum ernsten Thema. Turtle 1 findet, Minarette sollten in der Schweiz verboten werden – «weil die den Blick auf die schönen Alpen ruinieren». Und ein Leser namens Siete ist der Meinung, dass die ganze Diskussion über ein im Grunde architektonisches Detail zeigen würde, «dass die Schweizer womöglich doch nicht so schlau sind, wie immer alle glauben ...».

Muslime in Europa und in der Schweiz

In Europa leben 400 Millionen Christen und schätzungsweise 18 Millionen Moslems. 310000 davon in der Schweiz. Das sind 4,13 Prozent der Schweizer Bevölkerung.

Zur Zeit gibt es zwei Moscheen mit einem Minarett – eine in Zürich und eine in Genf. Ein weiteres wird nach dem Entscheid des Solothurner Bau- und Justizdepartements vom 8. Juli bald in Wangen bei Olten dazu kommen.

Der Ruf zum Gebet mittels Lautsprecher auf dem Minaretts ist in der Schweiz jedoch verboten.
play (Symbolbild)

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