Es kommt wieder Bewegung in den Konflikt zwischen der Schweiz und Libyen. Max Göldi (54) und Rachid Hamdani (68) sind von einem Sondergericht zu 16 Monaten Gefängnis und einer Strafe von rund 2000 libyschen Dinar (1600 Franken) verurteilt worden (Blick.ch berichtete).Das zeige ganz deutlich, dass die beiden Schweizer Geiseln seien. Mit diesem «Willkür-Urteil» wolle Gadaffi eine neue Etappe der Geiselnahme einleiten, sagt der Libyen-Kenner Jean Ziegler in der Sendung «Heute Morgen» im Schweizer
Radio DRS.Hohe Lösegeldforderungen zu erwartenDie Höhe des Urteils sei absurd. «Normalerweise werden Visavergehen in Libyen mit einer Busse geahndet – und zwar mit einer solchen von deutlich weniger als 1600 Franken», so Ziegler. Die Schweiz habe das Gericht zu
Recht nicht akzeptiert und niemanden an den Prozess geschickt. Sie müsse ihren harten Kurs weiterfahren und Visa für Libyer verweigern, bekräftigt Ziegler.Der Autor, der selbst schon Gast von Gaddafi war, vermutet: Es gehe jetzt hinter den Kulissen um immense Lösegeldforderungen, damit die Geiseln endlich nach Hause zurückkehren könnten.Schweiz wegen Minarett-Verbot geschwächtEine weitere Vermutung ist, dass Gaddafi den Zeitpunkt der Verurteilung ganz bewusst gewählt habe. Das Timing sei kein Zufall gewesen, sagt Hasni Abidi, Direktor des arabischen Forschungszentrums in
Genf, gegenüber «Le matin». Libyen habe gezielt den Tag nach der Volksabstimmung über das Minarett-Verbot ausgesucht.Wegen der Attacken aus dem Ausland sei die Schweiz geschwächt – und damit ein leichtes Opfer für den Wüstendiktator.Abidi rät den Familien von Max Göldi und Rachid Hamdani, weiterhin die Öffentlichkeit zu suchen. Denn seit auch die europäischen Medien in grossem Umfang über den Fall berichten, sei das Gaddafi-Regime unter Druck geraten. (s5j/hhs)