Millionen Tiere sollen sterben

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Michael Scharenberg

SYDNEY – Wilde Kamele, Pferde, Esel, Schweine, Katzen und Füchse in Australien sollen nach einer Empfehlung von Experten zu Millionen getötet werden. Ziel: Schutz der heimischen Artenvielfalt.

Dies sieht ein Parlamentsbericht vor, der den australischen Abgeordneten im November unterbreitet werden soll. Nach den Worten des Vorsitzenden des Parlamentsausschusses, Alby Schultz, stellen die vor über 200 Jahren von europäischen Einwanderern eingeführten Tiere eine Gefahr für Umwelt und Landwirtschaft dar.

«Diese Tierarten müssen ausgemerzt werden», forderte Schultz. Angesichts einer geringen Zahl von Raubtieren und äusserst dünn besiedelten Gebieten konnten sich europäischstämmige Tierarten auf dem fünften Kontinent ungehindert verbreiten.

Nach Schätzungen der Umweltschutzbehörden leben inzwischen unter anderem 23 Millionen Schweine, fünf Millionen Esel und 300000 Pferde in freier Wildbahn. Sie richten laut dem Bericht jährlich einen Schaden von umgerechnet 700 Millionen Franken in der Landwirtschaft an.

Der Ausschussbericht empfiehlt, diese landesfremden Tierarten auszurotten. Auch die Umweltorganisation WWF unterstützt den Vorschlag.

«Diese Tiere haben seit ihrer Ankunft in unserem Land unsere Umwelt bedroht», urteilt der australische WWF-Vertreter Nicola Markus. Er forderte allerdings, die Tiere möglichst so zu töten, dass sie nicht leiden müssen.

Die meisten anderen Tierschutzorganisationen sprachen sich allerdings klar gegen das Vorhaben der australischen Regierung aus.

Kommentar

Es stimmt: Viele eingeführte Tiere haben sich zu einer Plage entwickelt, die die heimische Umwelt bedroht. Pferde zum Beispiel zerstören mit ihren harten Hufen die Kruste der wüsten- und steppenartigen Landschaft. Resultat: Der Wind trägt kostbaren Ackerboden davon. Oder Kaninchen: Die haben ganze Landstriche regelrecht überflutet und Millionen von Höhlen angelegt. Resultat: Die Vegetation an der Oberfläche stirbt grossflächig ab.

Doch wie soll entschieden werden, welche Tiere sterben sollen, welche leben dürfen? Was ist mit den Schafen? Die zerstören auch den Boden. Aber ihre Wolle bringt gutes Geld. Fehlen sie daher auf der Abschuss-Liste? Was ist mit den Rindern? Die zerstören den Boden wie die Pferde. Aber auch der Fleischexport bringt gutes Geld. Fehlen sie darum ebenfalls auf der Liste? Und warum sollen ausgerechnet die Kamele getötet werden? Als einziges eingeführtes Tier hat das Kamel keinen Flurschaden angerichtet. Es ist nämlich ein Weichhufer und stammt ursprünglich aus der afghanischen Wüste.

Man darf in Erinnerung rufen, dass australische Behörden sich seit Jahrzehnten verzweifelt bemühen, der Kaninchenplage Herr zu werden. Die Tiere wurden vergiftet, unfruchtbar gemacht; es wurden Versuche angestellt, ihr Erbgut zu manipulieren. Damit sie sich endlich nicht mehr vermehrten. Genutzt hats nichts. Und nun sollen vollständige Tierpopulationen ausgerottet werden.

Der Wirbel, den dieser Plan in den Medien auslöst, ist gigantisch. Die Nation wird gespalten sein, Glaubenkriege ausbrechen. Und was passiert? Die Kaninchen werden sich weiter vermehren.

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