Michelle Obama enttäuscht die Türken

  • Publiziert: 07.04.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

ANKARA – Nach seinem Abstecher in die Türkei reist US-Präsident Barack Obama heute Abend wieder heim. Ehefrau Michelle ist bereits letzten Sonntag ins Weisse Haus zurückgekehrt – zum Leidwesen vieler Türken.

Gestern hielt US-Präsident Barack Obama eine seiner geschichtsträchtigen Reden vor dem türkischen Parlament, wo er versicherte: «Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam und werden es nie sein.» Heute, am letzten Tag seiner Europa-Reise, kommt er in der türkischen Metropole Istanbul mit Vertretern verschiedener Religionen zusammen. Später besucht er zusammen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan Sehenswürdigkeiten wie die Blaue Moschee und die Hagia Sophia und trifft sich kurz vor seiner Abreise mit Studenten aus mehreren Ländern.

Doch bei diesem Besuch fehlt jemand an der Seite des mächtigsten Mannes der Welt: Seine glamouröse Frau Michelle.

Die First Lady hatte ihren Mann in England, Frankreich, Deutschland und Prag noch begleitet, den Abstecher in die Türkei aber machte sie nicht mehr mit.

Darüber sind viele Türkinnen enttäuscht: «Meine Tochter hat sich so darauf gefreut, die First Lady zu sehen», erzählt Putzfrau Ayse Tastan gemäss «Times Online». Die türkischen Medien haben sich bereits vor Tagen ganz auf Michelle eingeschossen und besprachen in Länge und Breite die Kleidung, den Stil, das Auftreten und Benehmen Michelle Obamas während des G-20-Gipfels.

«Nicht mit Kopftuch-Trägerinnen ablichten»

Buchhalterin Cidgdem (39) hat für das Nichterscheinen Michelles Obamas eine Erklärung parat: «Sie wollte sich bestimmt nicht mit den Kopftuch-tragenden Frauen hier ablichten lassen. Wer will das schon!» Cidgem spielt auf die Ehefrau von Präsident Gul an, die stets ein Kopftuch trägt. Gleichzeitig ist das Kopftuch an türkischen Universitäten, im Parlament und öffentlichen Ämtern generell verboten, und die Kopftuchdebatte spaltet die Bevölkerung immer wieder von neuem.

Doch es sind nicht die Kopftuchträgerinnen, die Michelle Obama vom Besuch in der Türkei abhielten. Vielmehr wollte die First Lady und Mutter bei ihren beiden Töchtern Sasha und Malia sein.

Die Mädchen müssen nach den Frühlingsferien seit einer Woche wieder zur Schule, und Mama wollte endlich wieder zurück zu ihren Liebsten. «Sie hatte nie vor, die Türkei zu besuchen, sondern plante immer, am Sonntag nach Hause zurückzukehren, bevor die Kinder am Montag wieder zur Schule müssen», sagte ein Sprecher des Weissen Haus.

Clinton ins Herz geschlossen

Der Besuch von Aussenministerin Hillary Clinton letzten Monat tröstet die Türkinnen etwas. Seit Hillary in einer TV-Show ganz offen über die Affäre ihres Mannes und ihren fehlenden Sinn für Mode gesprochen hatte, haben sie viele Türkinnen ins Herz geschlossen. (gux)

Attentat auf Obama vereitelt

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat die türkische Polizei einen Mann verhaftet, der nach eigener Aussage US-Präsident Barack Obama bei seinem Staatsbesuch umbringen wollte. Der Mann sei bereits am Freitag in Istanbul festgenommen worden, teilte der Secret Service in Washington mit. Der Präsident sei aber nie konkret gefährdet gewesen. Obama traf am Sonntag in der Türkei ein. Der Secret Service, der für den Personenschutz zuständig ist, arbeitet nach eigenen Angaben mit den türkischen Behörden in dem Fall zusammen.

play Michelle Obama in der St. Vitus Kathedrale in Prag. War sie mit ihren Gedanken schon bei ihren Kindern? (AP)

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