Schweres Erdbeben Mehr als 400 Tote in Chile – Wellen erreichen Japan

  • Publiziert: 27.02.2010, Aktualisiert: 19.01.2012

SANTIAGO – Nach einem Beben im Pazifik beklagt Chile mehr als 400 Todesopfer. Mittlerweile hat die vom Beben ausgelöste Tsunami-Welle Japan und Russland erreicht.

Der nach dem schweren Erdbeben in Chile ausgelöste Tsunami hat am Sonntag Japan und Russland erreicht. Tsunami-Wellen bis zu 1,45 Metern Höhe schlugen an der japanischen Nordküste auf, wie Medien berichteten.

Tsunami-Warnung aufgehoben

Die Behörden hatten knapp 320000 Menschen entlang des Pazifik aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Einige Zugverbindungen wurden eingestellt, Autobahnen für den Verkehr gesperrt.

Auch in der ostrussischen Region Kamtschatka war der Tsunami zu spüren. Eine Reihe von Wellen mit bis zu 80 Zentimetern Höhe sei registriert worden, sagte eine Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums. Über Schäden sei nichts bekannt. Die Tsunami-Warnung sei aufgehoben worden. Dies hatten die Behörden zuvor bereits auch für Hawaii erklärt. Eine erste Welle, die den US-Bundesstaat erreichte, sei rund einen Meter hoch gewesen, berichtete der US-Sender CNN.

Auch bereits von der Flutwelle erfasst wurde die chilenische Pazifik- Insel Robinson Crusoe: Die Wassermassen rissen mehrere Menschen fort und richteten schwere Zerstörungen an. Auch getroffen wurde die Stadt Talcahuano: Eine 2,3 Meter hohe Flutwelle erreichte die Stadt an der chilenischen Pazifik-Küste.

Die mächtigen Erdstösse um 3.34 Uhr Ortszeit hatten die Menschen in Chile im Schlaf überrascht. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte etwa 92 Kilometer nordwestlich der Küstenstadt Concepción. Die Erde bebte in fast 60 Kilometern Tiefe. In schneller Folge gab es mehr als 20 Nachbeben mit Stärken von bis zu 6,9.

Hunderte unter Trümmern vermutet

Hunderte Menschen werden noch unter den Trümmern vermutet. Die Behörden rechnen damit, dass die Opferzahlen stündlich steigen. Das ganze Ausmass der Zerstörung vor allem in der Region um die Grossstadt Concepción etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago ist auch Stunden nach dem Beben unklar.

Der Sitz der Regionalregierung soll zerstört worden sein. Mauern von Gefängnissen und mehrstöckige Gebäude stürzten ein. Ein TV- Reporter berichtete: «Es gibt keine Strasse in Concepción, wo kein Schutt liegt. Man hört Kinder unter den Trümmer schreien.»

Das chilenische Fernsehen zeigte nach der Katastrophe vom Samstag Bilder von eingestürzten Wohnhäusern, Spitälern, brennenden Gebäuden, zerstörten Brücken, auch in Santiago.

In der Hauptstadt stürzten auch neue Autobahnbrücken ein. Die wichtigste Strassenverbindung von Santiago in die besonders betroffenen Gebiete war zunächst unterbrochen. Internet und Telefone funktionierten nicht. Die Strom-, Gas- und Wasserversorgung brach zusammen. Die Hochhäuser in Santiago hielten den heftigen Erdstössen jedoch stand.

Flughafen in Santiago geschlossen

Der internationale Flughafen von Santiago wurde erheblich beschädigt und bleibt für mindestens eine Woche geschlossen. Der Flughafenchef konnte zunächst nicht sagen, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Präsidentin Michelle Bachelet rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und zu Hause zu bleiben. Sie flog in das Katastrophengebiet und versprach den Opfern schnelle Hilfe. Die Vereinten Nationen boten dem südamerikanischen Land Unterstützung an. «Die UNO, insbesondere der Nothilfekoordinator, stehen bereit», sagte Generalsekretär Ban Ki Moon in New York.

Schweizer Experten

Auch die Schweiz hilft: Die Humanitäre Hilfe des Bundes schickte Experten in das Katastrophengebiet. Das Erkundungsteam bestehe aus Leuten, die bereits in Südamerika stationiert seien, sagte EDA- Sprecher Erik Reumann am Samstag.

Die Experten würden voraussichtlich am Sonntag in Chile eintreffen und vor Ort die Bedürfnisse erfassen, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) weiter mit. Ob sich unter den Erdbebenopfern in Chile auch Schweizer befinden, war am Samstagabend noch unklar. (sda/gmu)

Häftlinge auf der Flucht

Das schwere Erdbeben in Chile haben gut 200 Insassen eines Gefängnisses zur Flucht genutzt. In der Haftanstalt im zentralchilenischen Chillan sei eine Mauer eingestürzt, sagte gestern der zuständige Chef der Justizvollzugsbeamten, Alejandro Jimenez.

Ein Wachmann sei schwer verletzt worden und 269 Häftlinge seien zunächst geflohen, sagte Jimenez der Tageszeitung «La Tercera». Von ihnen konnten 60 sofort wieder aufgegriffen werden, von den übrigen gut 200 fehlte zunächst jede Spur. (SDA)

Der «pazifische Feuerring»

Chile liegt am sogenannten «Pazifischen Feuerring», einem hufeisenförmiger Vulkangürtel am Rande des pazifischen Ozeans.
Er verläuft von Chile nordwärts entlang der südamerikanischen Küste durch Zentralamerika, Mexiko, die Westküste der USA und den Süden Alaskas. Von dort erstreckt er sich über die Aleuten nach Japan, die Philippinen und Indonesien bis er schliesslich Neuseeland erreicht. Etwa 90 Prozent der Erdbeben weltweit ereignen sich innerhalb des Feuerrings.

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