Medwedew will Georgien schrumpfen

  • Publiziert: 15.08.2008, Aktualisiert: 03.01.2012
play Erst noch harmonisch beim Spaziergang vereint ... (Reuters)

SOTSCHI – Ein beschaulicher Spaziergang mit Kanzlerin Merkel, dann lässt der russische Präsident Medwedew die Bombe platzen: Georgiens heutige Grenzen gehören wohl bald der Vergangenheit an.

Er sieht harmlos aus, wie er da mit Angela Merkel durch den russischen Kurort Sotschi schlendert. An der Schwarzmeerküste versuchte die deutsche Kanzlerin, bei ihren russischen Freunden zu vermitteln. Allerdings mit wenig Erfolg: In der Kaukasus-Frage bleibt der Präsident von Russland knallhart.

«Nach allem was geschehen ist, wird es für Abchasen und Osseten kaum noch möglich sein, in einem georgischen Staat zu leben», sagte Medwedew bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel. Die Regierung in Russland werde sich bei ihrem weiteren Vorgehen «vom Willen der Bevölkerung in Abchasien und Südossetien leiten lassen», betonte Medwedew.

Für die militärisch unterlegenen Georgier ist das ein Stich ins Herz. Die Grenzen ihres Landes werden sich verschieben. Südossetien und Abchasien gehören wohl bald nicht mehr zu Georgien. Denn obwohl die Mächtigen der Welt Russland kritisieren, ermahnen und schelten, werden sie wohl kaum auf Konfrontationskurs gehen wegen des kleinen Georgiens.

Milde Kritik aus Berlin und Washington

Betont milde tönen denn auch die Vorwürfe aus Deutschland: Merkel forderte Russland auf, seine Truppen umgehend aus dem georgischen Kerngebiet abzuziehen. Einige der russischen Aktionen seien unverhältnismässig gewesen.

Zumindest verbal wagt sich US-Präsident Bush etwas weiter vor: Er rief Moskau erneut auf, die russischen Truppen aus Georgien abzuziehen. Die Souveränität und territoriale Integrität Georgiens müssten gewahrt werden. Bush betonte aber auch, die USA seien an guten Beziehungen zu Russland und nicht an einer Wiederbelebung des Kalten Kriegs interessiert. Im Klartext: Medwedew wird sich mit seinem harten Kurs wohl durchsetzen. (SDA/bih)

play ... sprach der russische Präsident Medwedew an der Pressekonferenz dann Klartest. Die Kanzlerin staunte. (AP)

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