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«Unglaublich! Autos brennen im Herzen von Budapest! Aufgehetzte Mengen kämpfen gegen die wenigen Polizisten, die versuchen das Gebäude des staatlichen Fernsehens zu schützen. Steine, Feuer, Chaos. Und das alles nur, weil eine Tonbandaufnahme von unserem sozialistischen Premier Ferenc Gyurcsany auftauchte, auf der er Lügen im Wahlkampf zugibt: «Wir haben am Morgen, am Abend und in der Nacht gelogen.»
Ich mache mir Sorgen um Ungarn. 150 Menschen wurden verletzt. Wo gekämpft wird, war eben noch der schönste Platz von Budapest. Sein Name: Szabadság, auf Deutsch Freiheit.
Seit 50 Jahren ist so was nicht mehr passiert! Damals hat sich das Weltinteresse auf Ungarn gerichtet: 1956 die fantastische Revolution gegen die sowjetische Herrschaft. Meine Eltern haben sie erlebt und – mit Glück – überlebt.
Vor 16 Jahren haben wir uns befreit und haben unsere Demokratie geschaffen. In Frieden und Ruhe. Wir haben heute freie Meinungsäusserung, eine freie Presse, wir können ein menschenwürdiges Leben führen. Natürlich haben wir auch Probleme mit Regierung, Gesetzen, unserem Lebensniveau – unsere Demokratie ist noch jung. Natürlich müssen wir diskutieren und streiten.
Aber wir müssen immer an unser Vaterland denken. Gewalt gebärt Gewalt, wie wir zu sagen pflegen. Ohne Kampf, ohne Gewalt müssen wir unseren Weg in die neue Welt der Demokratie fortsetzen. Wir können die Regierung alle vier Jahre austauschen – unser Grundgesetz garantiert das.
Jetzt, da ich die Trümmer auf dem Platz der Freiheit sehe, habe ich Angst: Dass wir das, was wir gemeinsam seit 1990 erreicht haben, wieder verlieren.»
Marcell Muranyi: Chefredaktor «Blikk» Ungarn.