Löste Stasi-Spion die 68er-Unruhen aus?

  • Publiziert: 22.05.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

BERLIN – Der Student Benno Ohnesorg wird am 2. Juni 1967 erschossen. Darauf gehen in Europa die Studentenunruhen los. Jetzt kommt aus: Der Todesschütze war ein Stasi-Spitzel.

Der Polizist Karl-Heinz Kurras, der im Juni 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, soll ein Spion des DDR-Staatssicherheitsdienstes (Stasi) gewesen sein. Dies berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» unter Berufung auf Mitarbeiter der Birthler-Behörde. Die nach ihrer Leiterin Marianne Birthler benannte Behörde sichert Unterlagen der Stasi – und machte nun den sensationellen Fund.

Demnach fanden sie durch Zufall Unterlagen eines «Otto Bohl». Dies war der Deckname des West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras.

Das ZDF-«heute-journal» hatte am Donnerstagabend ebenfalls berichtet, dass der West-Berliner Polizist Kurras ein Stasi-Spion gewesen sei. Er habe sich bereits 1955 gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR verpflichtet, die West-Berliner Polizei auszuspähen.

Kein Auftrag für den Todesschuss

Der Spionage-Experte der Birthler-Behörde, Helmut Müller-Enbergs, sagte, dass es in der Stasi-Akte keinen Hinweis darauf gebe, dass Kurras den Auftrag gehabt habe, Benno Ohnesorg zu erschiessen.

Nach den Schüssen auf Ohnesorg wurde Polizist Kurras nicht aus der Stasi entlassen. Aber es finden sich laut dem Historikern keine weiteren Einträge über den Spitzel mehr in den Unterlagen.

Karl-Heinz Kurras hatte am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration aus nächster Nähe auf Ohnesorg gezielt. Der Student erlag später seinen Verletzungen. Der Tod gilt als Anlass für eine Radikalisierung der Studentenbewegung im Westen. (SDA/zum)

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