Liebessignal an die Verschleppte

  • Publiziert: 26.12.2007, Aktualisiert: 02.01.2012

BOGOTA – Gestern feierte die Rebellen-Geisel Ingrid Betancourt einen traurigen Geburtstag im Dschungel. Ihr Mann will ihr Mut machen – mit 20'000 Fotos ihrer Kinder.

Seit sechs Jahren hält die linksextremistische kolumbianische Rebellengruppe Farc die ehemalige grüne Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt schon als ihre prominenteste Geisel. Ein Ende November veröffentlichtes Bild zeigt die einst couragierte Politikerin in einem lamentablen Zustand: Völlig abgemagert sitzt sie auf einem Stuhl, den Blick deprimiert zum Boden gerichtet.

Heute, am 25. Dezember, wird Ingrid Betancourt 46 Jahre alt. Ihre Familie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, die französisch-kolumbianische Doppelbürgerin eines Tages wieder in die Arme schliessen zu können.

Etwas Besonderes hat sich ihr Mann Juan Carlos Lecompte ausgedacht: Gestern warf er 20000 Flugblätter mit Fotos ihrer Kinder aus erster Ehe, Melanie (22) und Lorenzo Delloye (19), über dem kolumbianischen Dschungel ab, um Betancourt Mut zu machen.

«Ich hoffe sehr, dass sie diese Bilder ihrer Kinder als Geschenk von mir bekommt», sagte Lecompte zu einer Reporterin von «Al-Jazeera», die ihn auf seinem Flug begleitete.

Lecompte, der Mitbegründer der Grünen Partei Kolumbiens, wusste ungefähr, in welcher Gegend des riesigen Amazonas-Dschungels er seine Botschaften abwerfen musste. Der Polizist Frank Pinchao hatte ihm gesagt, in welcher Richtung seine Frau zu finden sein könnte.

Pinchao war im selben Camp wie Betancourt gefangen gehalten worden und konnte erst nach acht Jahren Geiselhaft ausbüxen, nachdem er im Dunkeln die Kette um seinen Hals geknackt hatte.

«Die einzige Möglichkeit für eine Geisel, mit der Aussenwelt Kontakt zu haben, sind Radio-Nachrichten. Diese Neuigkeiten gaben uns den Mut weiterzuleben. Dagegen bekamen wir nur einmal pro Jahr eine Zeitung zu Gesicht», berichtete Pinchao.

Nun hoffen Lecompte und die anderen Angehörigen von Ingrid Betancourt, dass ihre Botschaft ankommt. Die Wahrscheinlichkeit ist klein: Es sei, wie wenn man eine Flaschenpost in den Ozean schmeisse, sagte der bangende Ehemann. (hhs)

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