Er missbraucht die Bevölkerung als lebenden Schutzschild So feige ist Gaddafi

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Johannes von Dohnányi
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Der Luftkrieg über Libyen hat begonnen. Französische Flugzeuge flogen den ersten Angriff. Dann kamen die US-Marschflugkörper. Gaddafi provoziert weiter.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis trat am Samstagabend, kurz nach 21 Uhr, Mohamed al-Zahwi vor die internationale Presse. Eine «globale Verbrecherbande» habe einen «barbarischen bewaffneten Angriff» auf Libyen gestartet, erklärte der Sprecher von Diktator Oberst Muammar al-Gaddafi. Und stolz erklärte er, das libysche Volk gebe sich «freiwillig» als «lebenden Schutzschild» her: «Sie schützen auch unseren Revolutionsführer Gaddafi mit ihrem Leben.»

Mit einer ähnlich verbrecherischen Strategie hatte sich 1990 während des Kuwait-Kriegs auch der irakische Diktator Saddam Hussein vor den Angriffen der Alliierten geschützt.

Was al-Zahwi «barbarisch» nannte, war der Auftakt von «Operation Odyssey Dawn». So heisst die vom UN-Sicherheitsrat autorisierte Militärkampagne zum Schutz der libyschen Rebellen gegen Gaddafis Armee und Söldnertruppen. 25 amerikanische und britische Kriegsschiffe und drei U-Boote hatten insgesamt 100 Cruise Missiles Tomahawk in Richtung Tripolis und die Küstenstadt Misrata abgefeuert. Damit sollten 20 libysche Flugabwehr-, Raketen- und Kommunikationsstellungen ausgeschaltet werden, die den Kampfflugzeugen der internationalen Koalition hätten gefährlich werden können.

«Ein Verbrechen» nannte al-Zahwi den Angriff und betonte, die libysche Regierung habe sich strikt an den am Freitag ausgerufenen Waffenstillstand gehalten.

«Stehen die Leute um Gaddafi unter Drogen? Werden sie von dem Diktator zu solchen Lügen gezwungen?», fragte sich eine Reporterin des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira vor laufender Kamera: «Den ganzen Tag über hat die libysche Armee unbewaffnete Zivilisten in Bengasi angegriffen!»

Mit den Bildern von Panzern und schwerer Artillerie in den Wohnvierteln von Bengasi im Kopf waren am späten Samstagvormittag in Paris die Aussenminister der aus 22 Ländern bestehenden Anti-Gaddafi-Koalition zusammengekommen. Auf der Grundlage von Resolution 1973 des Weltsicherheitsrats seien Angriffe auf Libyen beschlossen worden, verkündete Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy anschliessend vor der Presse. Da waren vier französische Kampfflugzeuge und eine fliegende Feuerleit- und Beobachtungsplattform vom Typ Awacs schon auf dem Weg nach Bengasi, um den bedrängten Rebellen zu Hilfe zu kommen. Um 16.45 Uhr schlugen sie zu: Vor Bengasi zerstörten sie vier Panzer und einige Mannschaftswagen der libyschen Armee.

Nach den ersten Angriffen schon war klar: Die in der ersten Phase von den USA geleitete Koalition aus Nordamerikanern, Europäern und arabischen Staaten will sich mit einer reinen Flugverbotszone nicht begnügen. Mit gezielten Angriffen soll Gaddafis Armee in ihre Kasernen zurückgetrieben werden. Ein hoher spanischer Militär bezeichnete das Operationsziel am Abend «eher als eine Fahrverbotszone». Mit anderen Worten: Auf der Grundlage der weit gefassten UN-Resolution wird die Koalition gezielt Jagd auch auf libysche Militärfahrzeuge machen.

«Wir helfen dem libyschen Volk, selbst über sein Schicksal bestimmen zu können», erklärte am Abend US-Präsident Barack Obama. Das klingt wie ein nobles Ziel. Zu erreichen sein wird es schwer. Gaddafi hat geschworen: Er will bis zum letzten Tropfen Blut kämpfen.  Seinem – und dem seines Volkes.

Sarkozy möchte Feldherr sein

Noch Ende Januar hatte es wie eine neue Peinlichkeit für Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ausgesehen: Sarko hatte den libyschen Diktator Gaddafi in den letzten Jahren umschmeichelt und hofiert. Natürlich ging es immer um Geschäfte. Sarkozy wollte libysches Öl. Im Gegenzug wollte er Gaddafi Waffen und sogar ein Atomkraftwerk verkaufen. Dann rebellierten die Libyer gegen den Diktator. Und Monsieur le Président setzte sich an die Spitze derer, die Gaddafi militärisch zur Räson bringen wollen. Er formte die Koalition, peitschte die Uno-Resolution durch – und hat doch verloren. Die Militäroperation gegen Libyen wird von den USA geführt.

Merkel macht sich lächerlich

Wochenlang hatten sich die deutsche Kanzlerin und ihr Aussenminister über den Arabischen Frühling und die Demokratiebewegungen in Nordafrika gefreut. Doch als es ernst wurde, als es darum ging, den bedrängten libyschen Aufständischen zu Hilfe zu kommen – da kniffen Angela Merkel und Guido Westerwelle. Bei der Abstimmung im Uno-Sicherheitsrat über die libysche Flugverbotszone enthielten die Deutschen sich der Stimme. «Weicheier» seien die Teutonen, spotten die Alliierten. Aber auch in Berlin kommt die Entscheidung der schwarz-gelben Koalition nicht gut an. Die einzige Partei, die Merkel applaudiert, ist die Linke – Gaddafis alte Spezis.
«Ich bin bereit zu sterben – und mein Volk mit mir!» Diktator Muammar al-Gaddafi- Keystone

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