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Diktator Muammar al-Gaddafi kommt seinem Ziel immer näher, das eigene Volk zu besiegen. Seine Truppen rückten auf die Rebellenhochburg Bengasi vor, und Gaddafis Luftwaffe hat heute den internationalen Flughafen der Stadt bombardiert. Dies berichteten Augenzeugen in der Aufständischen-Hochburg im Osten Libyens.
Das scheint ihn so richtig in Siegeslaune zu versetzen. Und deshalb poltert er wieder irr drauflos: Libyen könne mit den westlichen Ländern wieder ins Geschäft kommen, sofern diese ihn um Verzeihung bitten würden, sagte er in einem Interview.
«Falls der Westen zu mir kommt und sich für seine Fehler entschuldigt, können wir die guten Beziehungen und die Zusammenarbeit im Erdölgeschäft wieder aufnehmen», erklärte Gaddafi.
Zu der «Entschuldigung» gehöre auch die Aufhebung der jüngsten UNO-Sanktionen gegen Libyen. «Priorität bei der Zusammenarbeit werden für uns aber Russland, China und Indien als Partner haben. Wir trauen dem Westen nicht mehr», so Gaddafi.
Ultimatum für Bewohner
Die libysche Armee hatte den Bewohnern der Stadt schon ein Ultimatum gesetzt: Die Einwohner sollten sich ab Mitternacht aus Gegenden raushalten, in denen sich Bewaffnete aufhielten.
Dem Internationale Rote Kreuz ist es zu gefährlich geworden. Die Helfer haben ihren Standort in Bengasi aufgeben und ihn weiter nach Osten verlagert, nach Tobruk. Grund: Die Stadt liege unter Beschuss regierungstreuer Truppen.
Zahl der Flüchtlinge steigt dramatisch an
Ein libyscher Diplomat und Gaddafi-Gegner Ibrahim Dabbashi befürchtet das Schlimmste: «Wenn die Internationalegemeinschaft nicht schnell handelt, wird es in den kommenden Stunden einen echten Völkermord geben.»
Wegen der Kämpfe ist auch die Zahl der libyschen Flüchtlinge stark angestiegen. In den letzten 24 Stunden versuchten immer mehr libysche Familien über die Grenzen nach Ägypten oder Tunesien zu gelangen, wie EU-Krisenreaktionskommissarin Kristalina Georgieva mitteilte. Zuvor hatten fast ausschliesslich Gastarbeiter oder Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten Libyen verlassen.
«Es handelt sich um Frauen, Kinder, Ältere, die sich in Sicherheit bringen wollen», sagte die EU-Kommissarin.
USA fordern Intervention
Wie aus Diplomatenkreisen bekannt wurde, fordern die USA bei Verhandlungen hinter verschlossenen Türen die Vereinten Nationen dazu auf, einem militärischen Eingreifen zuzustimmen. Um den Vormarsch der Ghadhafi-Truppen zu stoppen, seien Angriffe aus der Luft, zu Land und vom Meer aus notwendig.
Den Angaben zufolge will die US-Regierung aber nicht ohne Uno-Mandat handeln und nur mit einer breiten internationalen Unterstützung, insbesondere aus anderen arabischen Ländern. Eigene Bodentruppen wolle US-Präsident Barack Obama nicht nach Libyen entsenden.
Nach langen Verhandlungen über ein Flugverbot in Libyen sollen nun heute im Uno-Sicherheitsrat Entscheide fallen.
Wenn der Westen sich tatsächlich noch auf eine Flugverbotszone einigen sollte, dann wird sie wohl zu spät kommen. Die Bodentruppen des Diktators stossen inzwischen so schnell vor, dass Sicherheitsexperten einen solchen Einsatz nicht mehr für sinnvoll halten.
Entscheidende Schlacht
Der libysche Machthaber kündigte für heute die «entscheidende Schlacht» um die von den Rebellen gehaltene Stadt Misrata an. «Die Schlacht beginnt heute (Mittwoch), und morgen wird die entscheidende Schlacht sein», sagte Gaddafi laut einem Bericht des libyschen Fernsehens vor jungen Leuten in Misrata. Misrata ist mit einer halben Million Einwohnern die drittgrösste Stadt des Landes.
Im Osten Libyens sind vier Journalisten der «New York Times» verschwunden. Die Redaktion habe zuletzt am Dienstagmorgen Kontakt zu den vier erfahrenen Kriegsreportern gehabt, teilte die Zeitung mit. (SDA/fr/spj)