Spurlos verschwunden Hat Gaddafi Journalisten der «New York Times» gekidnappt?

  • Publiziert: 17.03.2011, Aktualisiert: 20.01.2012

NEW YORK - In Libyen sind vier Journalisten der «New York Times» verschwunden. Das letzte Lebenszeichen gabs am Dienstagmorgen. Unter den Vermissten: Ein Pulitzer-Preisträger.

In Libyen fehlt von vier Journalisten der «New York Times» jede Spur. Die Redaktion habe zuletzt am Dienstagmorgen Kontakt zu ihren Mitarbeitern gehabt, teilte die Zeitung mit.

Man habe Informationen aus zweiter Hand, nach denen die vier in der Hafenstadt Adschdabija von den libyschen Behörden festgenommen worden seien. Das sei aber vorerst nicht bestätigt.

Die US-Regierung sei über den Fall informiert, sagte ein Regierungssprecher. Das Weisse Haus rufe die Regierungen in der Region auf, Journalisten nicht bei ihrer Arbeit zu beeinträchtigen.

«Wir haben mit den libyschen Behörden gesprochen und die haben uns zugesagt, dass sie den Aufenthaltsort der vier erkunden wollten», sagte «Times»-Chef Bill Keller.

Bekannte Journalisten

Bei den Vermissten handelt es sich um den Pulitzer-Preisträger Anthony Shadid, den Reporter Stephen Farrell und die Fotografen Tyler Hicks und Lynsey Addario. Shadid leitet das Büro der «New York Times» in Beirut und wurde schon zweimal mit dem Pulitzer-Preis, dem wichtigsten Journalistenpreis, geehrt. Auch Fotografin Addario erhielt bereits den Pulitzer-Preis.

Farrell wurde schon zweimal entführt. Im Irak kam er 2004 nach acht Stunden wieder frei. 2009 wurde der Brite in Afghanistan an den Wracks der Tanklastwagen verschleppt, die auf Anforderung eines deutschen Offiziers bombardiert worden waren. Der heute 46-jährige Farrell wurde vier Tage später von einem britischen Sonderkommando befreit; sein Dolmetscher und ein Soldat starben dabei. (SDA)

Rund zwei Wochen nach seiner Festnahme ist ein Journalist der britischen Zeitung «The Guardian» von den libyschen Behörden freigelassen worden. Der Iraker Ghaith Abdul-Ahad sei «sicher ausserhalb Libyens», teilte die Zeitung am Mittwochabend in London mit.

«Hinter den Kulissen» sei hart um seine Freilassung gekämpft worden. Der Korrespondent war zusammen mit dem brasilianischen Journalisten Andrei Netto festgehalten worden. Der Reporter der brasilianischen Zeitung «Estado de Sao Paulo» war bereits vor einigen Tagen freigekommen.

Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass ein Team des britischen Senders BBC von Soldaten des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi misshandelt worden war. Drei Reporter waren beim Versuch, die umkämpfte Stadt Al-Sawija im Westen des Landes zu erreichen, festgenommen und später gefoltert worden.

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